zu Gast: Prof. Manfred Becker-Huberti, Karnevalsforscher

Bäuerliche Riten, um den Winter auszutreiben, und ein römisches Fest, an dem die Herren ihre Sklaven bedienen mussten. Der Karneval hat wilde Vorfahren und war anfangs ein entsprechend wildes Kind. Rausch, Ekstase, Umkehr der normalen Verhältnisse, Anarchie und Spott – das fanden Kirche und Staat oft bedrohlich, sie reagierten mit Sanktionen für die Narren. Heute wundert man sich vielleicht drüber. Allenfalls die wilden Masken der alemannischen Fasnit lassen die Ursprünge ahnen, die Saal- und Straßenfastnacht am Rhein hat für viele etwas Behäbiges und Spießiges – ein Massenbesäufnis mit Grabscherei. Andere fiebern das ganze Jahr dem kontrollierten Ausnahmezustand entgegen, für sie ist Karneval ein Ventil, um zumindest einmal im Jahr Dampf abzulassen. Manfred Becker-Huberti, Kölner, Kirchenmann und Brauchtumsexperte kennt und erforscht den Karneval seit Jahren.

Manfred Becker-Hubertis Buchempfehlungen:
Stephanie Senge: „Konsumidealismus“, Verlag für Moderne Kunst 2015
Heinrich Böll: „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“, Verlag Kiepenheuer & Witsch 2013

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