Sorya Lippert, Flüchtlingshelferin – 14.10.2015

Unfreiwillig als „Fremde“ in einem anderen Land – Schweinfurts zweite Bürgermeisterin, Sorya Lippert, hat selbst erlebt, wie sich das anfühlt. Die 61-Jährige wurde als Tochter einer Deutschen und eines Inders in London geboren. Weil die Situation für den muslimischen Teil der Familie in Indien zunehmend schwieriger wurde, wanderten auch ihre Eltern mit den drei Kindern nach Pakistan aus. Noch heute erinnert sie sich an die beschwerliche, dreimonatige Überfahrt mit dem Schiff und die Zeit in der Flüchtlingskolonie. Insgesamt drei Jahre hausten sie dort auf engstem Raum. Weil der Vater keine Arbeit finden konnte, verfiel er dem Alkohol, wurde gewalttätig und die Ehe der Eltern zerbrach. Die fortan alleinerziehende Mutter beschloss, nach Deutschland zurückzukehren. Aber das Geld war knapp, weshalb sie ihre Töchter nach und nach alleine vorschickte. Mit 16 Jahren kam Sorya Lippert deshalb auf ein deutsches Internat. Sie fühlte sich einsam und fremd in dem für sie unbekannten und „rundum kalten“ Land. Aber sie lebte sich schnell ein, machte ihr Abitur, studierte und arbeitete als Lehrerin. Sie wurde sechsfache Mutter und begann sich immer mehr ehrenamtlich aber auch politisch zu engagieren. Heute setzt sie sich immer noch für ihre zweite Heimat Pakistan ein, aber auch die aktuelle Flüchtlingskrise ist – auch wegen ihrer eigenen Lebensgeschichte – für sie eine Herzensangelegenheit.

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