Archiv für ‘Hörbar Rust’

September 22nd, 2020

Joachim Meyerhoff

Vielleicht wurde dieser Mann in Begleitung seiner Tochter einst sehr lange in einem sich drehenden Karussell vergessen. Vielleicht aber auch nicht. Wie das so ist mit Menschen, die größtenteils autobiografisch schreiben: KANN alles passiert sein, MUSS aber nicht. Weit über 2 Mio Exemplare hat der Schriftsteller Meyerhoff verkauft, Bücher, die voll sind mit den Geschichten seines Lebens, traurig, heiter, schön zu lesen. Dabei führt er eine Doppelexistenz, denn als Schauspieler ist der 53jährige fast noch erfolgreicher. Die ZEIT beschreibt ihn als jemanden, der sich bis zur Erschöpfung schindet, für die Süddeutsche Zeitung ist Meyerhoff der wunderbarste Luftgeist, das wunderbarste Nervenbündel, das das Theater zu bieten hat. Eigenartigerweise scheint er trotz all seiner Offenlegungen und Grenzgänge nicht zu polarisieren und kontinuierlich geht ein warmer Preis-Regen auf ihn herab. Alles ist gut. Bis es plötzlich nicht mehr gut ist. Vor zwei Jahren wurde Meyerhoff aus der Bahn geworfen. Auch darüber spricht er in der Hörbar Rust auf Radio Eins.

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September 15th, 2020

Ilka Bessin

Es war einmal, in Luckenwalde, Deutsche Demokratische Republik, 18 Jahre vor dem Mauerfall. Zwei Töchter hat die Familie Bessin, und Ilka, die Jüngere, ist eine davon. Phantasiebegabt, temperamentvoll, ein bißchen korpulent vielleicht. In der Schule wird sie gehänselt und zu Hause nicht gerade mit Liebe überschüttet. Also entwickelt das Mädchen eine Überlebensstrategie: lauter sein als andere, lustiger, tougher. Auf den ersten Blick ein guter Plan, auch auf den letzten Blick wieder, aber dazwischen wird es hart für Ilka. Die Jobs rutschen ihr weg, fast vier Jahre lebte sie von staatlicher Unterstützung. Wie viel Motivation steckt einem da noch in den Knochen? Offenbar genug, um eine Kunstfigur zu erfinden. Bessin kreiert sie mit all dem Zubehör, das ihr vertraut ist: Die Figur wird laut, lustig und tough. Ihr Name: Cindy aus Marzahn. Sechs Comedypreise sahnt das pinke Frolleinwunder, absolviert Shows, Tourneen, veröffentlicht DVDs. Vor vier Jahren war Schluss damit. Heute ist Ilka Bessin Ilka Bessin und am Sonntag ist sie zu Gast in der Hörbar Rust.

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September 8th, 2020

Katharina Grosse

Am Sonntag zu Gast in der Hörbar eine der bedeutsamsten zeitgenössischen Malerinnen. Aber auch als Wettergöttin würde sie eine gute Figur machen und hätte viele Fans, denn ihre Arbeiten erinnern an Wetterleuchten, Farbexplosionen, großflächige Meskalin-Phantasien. Viele Fans hat die in Bochum aufgewachsene Künstlerin aber auch so. Mit Grosses aktueller Ausstellung im Hamburger Bahnhof, einem Berliner Museum, sprengt sie jeden Rahmen und das ist keine Plattitüde. Die Besucherinnen und Besucher sind gleichermaßen fasziniert davon, sich in diesen überdimensionalen Rausch zu begeben. Wände, Decken, Böden – alles lockt und leuchtet. Die Kunst der 59jährigen, die längst in allen bedeutsamen Kunsthäusern weltweit ausstellte, ist sinnlich und ihr haftet – trotz aller Farbkraft – nichts Dekoratives an. Mal sehen, ob es diesem nonvisuellen Medium hier gelingt, Ihnen die Person Katharina Grosse näherzubringen. Keine Farben, keine Flächen. Nur Töne.

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August 8th, 2020

Iris Berben

Eigentlich müsste ihr Konterfei den 100-Euro-Schein zieren. Oder aus gegebenem Anlass wenigstens einen 70-Euro-Schein. Oder sie müsste noch irgendwie in die Quadriga auf dem Brandenburger Tor hineingemeißelt werden, schließlich ist Iris Berben kulturelles Nationalheiligtum.Tatsächlich gibt es wenige Prominente, deren Können generationsübergreifend von so vielen Menschen bewundert wird. Berben blickt inzwischen auf eine über 50jährige Karriere zurück, die Liste ihrer Rollen ist unendlich lang.

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August 4th, 2020

Peter Simonischek (Wdh. vom 02.10.16)

Peter Simonischek, 73, Schauspieler … und was für einer. Man darf, muss aber nicht erst den Ausnahme-Film „Toni Erdmann“ erwähnen, um das Können dieses Mannes zu würdigen. Sein Können, aber gerade auch seine Freude am Spielen, die sich sofort auf den Zuschauer überträgt. Simonischek ist unfreiwillig gelernter Zahntechniker. Und doch studierte er Schauspiel in Graz, von wo aus es ihn auf die großen Bühnen trieb. 1979 holte ihn Peter Stein für 20 Jahre an die Berliner Schaubühne, seit 1999 gehört er fest zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. In über 100 Vorstellungen gab er bei den Salzburger Festspielen den „Jedermann“, ist seit 1995 regelmäßig in Yasmina Rezas Stück „Kunst“ zu sehen und brillierte ebenfalls in Salzburg in „Der Sturm“. Gerne wären wir weniger euphorisch bei der Vorstellung, leider aber ist dies nicht möglich. Wir freuen uns sehr auf Peter Simonischek alias Toni Erdmann in der Hörbar auf radioeins.

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Juli 28th, 2020

Geza Schön (Wdh. vom 24.02.17)

Geza Schön, 51, einer der besten Parfumeure und Revolutionäre der Duftwelt. Vielleicht glitt bereits ein leichter Frühlingsduft durch Kassel, als Geza dort am 2. März 1969 zur Welt kommt. Bereits als Junge interessiert er sich für Düfte, aber eher für deren Unterscheidbarkeit, die er aus einer Sammelleidenschaft heraus beherrscht. Wir wollen es in der Sendung verifizieren, aber offenbar kommt es mit 16 Jahren zu einer schicksalsträchtigen Begegnung mit einem Mädchen namens Dagmar, denn fortan geht es nur noch der Nase nach: Geza lässt sich in einem traditionsreichen Unternehmen zum Parfumeur ausbilden.
Mit der Entdeckung eines sehr speziellen Riechstoffs entwickelte Molecule 01, ein einzigartiges Parfum, dass kurz nach seiner Geburt schon zum Klassiker wurde, zwei weitere folgten. Geza Schön gehört zu den wenigen Parfumeuren weltweit, die frei arbeiten und dabei Erfolg haben. Schön, dass wir ihn in der Hörbar begrüßen können.

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Juli 21st, 2020

Deborah Feldman (Wdh. vom Mai 2016)

Deborah kommt in New York zur Welt – sie wird hineingeboren in eine ultraorthodoxe jüdische Gemeinde, deren Regeln und Gesetze dem muslimischen Fundamentalismus in nichts nachstehen. Frauen müssen sich die Köpfe rasieren, dürfen nicht singen, nicht Auto fahren, nicht lesen. Das neugierige Mädchen eckt an, lernt heimlich Englisch, liest heimlich Bücher, fühlt sich leer und sehnsüchtig. Mit 17 wird sie verheiratet, mit 18 bekommt Deborah ihren Sohn und beschließt nach einem einschneidenden Erlebnis, aus der Gemeinde auszubrechen. Deborah Feldmann, die amerikanische Jüdin mit deutschen Vorfahren, veröffentlicht 2012 ein Buch über ihr Leben in dieser Enklave, ohne Häme und Hass, es wird über 1 Mio Mal verkauft. Seit 201 lebt die junge Frau mit ihrem Sohn nun in Berlin und wir freuen uns sehr, sie in der Hörbar Rust als Gast zu haben.

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Juli 14th, 2020

Herbert Grönemeyer (Wdh. vom 12. April 2015)

Herbert Arthur Wiglev Clamor Grönemeyer kommt am 12. April 1956 in Göttingen zu Welt und wächst in Bochum auf. Mit 6 lernt er Ukelele, mit 8 Klavier, mit 12 gründet er seine erste Band und er ist gerade mal 17, als ihn Peter Zadek sozusagen – entdeckt. Parallel zum Studium der Rechts- und Musikwissenschaften arbeitet Grönemeyer am Bochumer Schauspielhaus, später in Hamburg, Köln, Berlin und Stuttgart. 1981 macht der Film „Das Boot“ ihn und den Rest der Crew einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Dabei hat Grönemeyer die Musik immer im Gepäck. Mit seinem 5. Album „4630 Bochum“ wird der Sänger 1984 schlagartig zum Star. Und das hat sich bis heute, 9 Alben später, nicht geändert. Man hört ihn „Dauernd jetzt“, in jedem Fall aber auch als Podcast ein Jahr lang in der Hörbar Rust auf radioeins.

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Juli 7th, 2020

Sophie Hunger (Wdh. vom August 2018)

Sophie Hunger, 37, Schweizer Sängerin & Songwriterin
Wenn eine junge Musikerin auf Tour geht und in den großen Städten immer gleich schon 2 Konzerte geplant sind, in Berlin sogar 4 Konzerte an 4 aufeinander folgenden Tagen, dann wird jedem klar, dass von dieser Künstlerin etwas ganz Besonderes ausgehen muss. Wobei man das Wort „besonders“ im Zusammenhang mit Sophie Hunger nicht mehr benutzen möchte, es ist zu oft gefallen. Besonders, anders, umwerfend, magnetisch. Und kein Gegenwind in Sicht. Als Kind lebte sie mit ihrer Familie viel im Ausland, gebürtig kommt sie aus dem schweizerischen Bern. Hungers 1. Album entstand 2006 in kompletter Eigenregie und sorgte schnell für ein mittelschweres Beben zwischen den Bergen, davor und dahinter. Noch stärker rumpelte es nur noch, als 2 Jahre später ihr 1. Studio-Album erschien, „Monday’s Ghost“. Dafür hagelte es förmlich Preise und Auszeichnungen. Seitdem ist Sophie Hunger ein Popstar, ein ungewöhnlicher eben, ohne erkennbare Allüren, mit einem außerordentlich hohen Maß an Eigensinn und Authentizität. Wir freuen uns sehr über Sophie Hunger als Gast in der Hörbar Rust.

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Juni 30th, 2020

Peter Wohlleben (Wdh. vom 19.11.17 )

Vielleicht sind Anspruch und Auftrag dieses Mannes bereits in seinem Nachnamen verankert: Wohl-Leben. Schon als kleiner Junge zog es den gebürtigen Bonner in den Wald. Um ein Haar hätte er Biologie studiert, aber dann wurde es doch ein Studium der Forstwirtschaft und Wohlleben arbeitete 20 Jahre als Beamter in der Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz. Mit zunehmender Erfahrung wuchs sein Unbehagen gegenüber der klassischen Forstwirtschaft. Kahlschläge, Monokulturen, Pestizide, die Jagdlobby – es gab und gibt viel, das man ändern sollte, um das Ökosystem Wald zu retten. Und so begann der Förster, sein Wissen niederzuschreiben. 16 Bücher in zehn Jahren. Heute ist Wohlleben Deutschlands meistgelesener Autor, allein sein Buch „Das geheime Leben der Bäume“ verkaufte sich über 700.000 mal. Längst rangieren weitere Bücher von ihm auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten. Das ist großartig – aber es wird sein Leben auch komplett auf den Kopf gestellt haben. Schön, dass wir ihn dazu und zu vielem anderen befragen konnten.

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Juni 23rd, 2020

Jeppe Hein

Fontänen, die zu Räumen werden. Wände, die sich verschieben. Autonom fahrende Sitzbänke oder ein Hocker, aus dem plötzlich Rauch aufsteigt. Man braucht keine psychedelischen Substanzen, um Dinge dieser Art zu erleben. Mit etwas Glück begegnen sie einem irgendwo auf der Welt, denn überall auf der Welt hat der Künstler Jeppe Hein bereits ausgestellt: in Paris und New York, Tokio, London und so weiter und so fort. Der gebürtige Däne galt als Shootingstar der Szene und wurde einer der wichtigsten Vertreter zeitgenössischer Kunst. Heute hier, morgen dort, und dann, eines Tages, im Dezember 2009, ging es plötzlich nicht weiter. Burnout. Sein Leben als Künstler und Familienvater steckte im Funkloch, Ängste, Überforderung, inneres Gelähmtsein. Jeppe Hein musste den Reset-Knopf drücken, für manche Menschen vielleicht sogar das Beste, was passieren kann, sagt er. Das Leben geht ja weiter. Nur eben anders.

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Juni 16th, 2020

Sophie Passmann

Sophie Passmann, 26, Moderatorin & Autorin
Nicht im Alleingang, wohl aber sehr präsent hat es die 26jährige geschafft, dem Berufswunsch „Und wenn ich groß bin, werde ich Influencerin“ jeglichen Schrecken zu nehmen. Es müssen nicht immer Extensions sein und aufgespritzte Münder, manchmal klappt sowas auch mit Sinn und Verstand, Politik und Humor. Frau Passmann dürfte sich diese Bezeichnung zufrieden auf ihre Visitenkarten drucken lassen, besäße sie welche und wäre da noch Platz neben: Autorin, Moderatorin, Schriftstellerin. „Konsens“ ist nicht unbedingt ihr Leitmotiv, was praktischerweise dazu führt, dass sich ihre Gedanken und Anregungen, mündlich oder schriftlich vorgetragen, in so vielen Köpfen verfangen. Gerade erst sahen wir sie als Moderatorin des Videos „Männerwelten“, in dem sie auch die letzten Ahnungslosen darüber aufklärte, auf welche Weise Frauen und Mädchen noch immer bedrängt, genötigt und Gewalt ausgesetzt werden. 3 Bücher hat sie bislang verfasst, aber wir spüren: da ist noch irgendwas Neues im Busch. Nur was? Das verrät sie vielleicht selbst am Sonntag in der Hörbar.

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Juni 9th, 2020

Esther Perbandt

Berlin, schau auf diese Person! Und dann am besten auch gleich auf alle anderen Künstler, die so leben wie sie. Denn Menschen wie Esther Perbandt waren schon immer für den vielbeschworenen Magnetismus dieser Stadt verantwortlich, für die Dynamik, die Kreativitiät und damit den nicht im klassischen Sinne bemessbaren Reichtum Berlins. Sie füttern die Stadt unaufhörlich mit ihren Ideen, sie führen Menschen zusammen, sie erschaffen und verwerfen, leiden auch und kämpfen, wenn sie Glück haben, lassen sie sich feiern und mit noch etwas mehr Glück hält die Bewunderung an. Wie eben im Fall der talentierten Misses Perbandt. Eine waschechte Charlottenburgerin ist sie, die große, stets in schwarz gekleidete, freundliche Frau, die – nicht immer, aber oft – eine dunkle, leicht eckige Kappe trägt. Esther Perbandt kennt man als eine der außergewöhnlichsten Designerinnen des Landes, nicht erst, seit sich durch eine internationale Mode-Serie bei Amazon quasi über Nacht auch der Rest der Welt in die 45jährige verliebte. Seitdem brummen in ihrem Atelier nicht mehr nur die Nähmaschinen, sondern auch der ein oder andere Schädel.

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Mai 26th, 2020

Pierre M. Krause

Deutlich vernehmbar ging ein Raunen durch die Stuhlreihen der Schulaula. Eltern und Lehrer nickten sich zu. So einen gestiefelten Kater hatten sie ja noch nie gesehen. Kein Wunder, dass Pierre schon wenige Jahre später den Oscar – nein, das nicht, der Junge wurde ja nicht mal Schauspieler, aber diese Schulaufführung damals entzündete doch ein Licht in dem Jungen, das so lange brannte, bis er wusste: jetzt habe ich meine Bestimmung gefunden. Ich stell mich vor die Leute und werde sie unterhalten. Längst hat dieser inzwischen 43jährige Krause alles, was es braucht, um „Entertainer“ genannt zu werden, Humorist, Autor, mit Preisen ausgezeichneter Moderator. Er dreht Filme, schreibt und moderiert seit 2005 die wohl einzige langlebig laufende, geheimnisvoll ins Nachtprogramm des SWR gepresste Late Night, die dann auch seinen Namen trägt: „Die Pierre M. Krause Show“. Echt? Seit 15 Jahren? Ja. Und eine treue und stets anschwellende Fangemeinde weiß das natürlich. Aber viel zu viele Menschen eben nicht. Ob wohl Methode dahinter steckt, dieses Juwel so gut zu verstecken? Ach Pierre, wir hoffen ja, dass sich das noch mal ändert.

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Mai 19th, 2020

Franziska Weisz

Fast hätten wir gesagt: Habe die Ehre. Aber mit dem Wiener Schmäh tun wir uns ein bisschen schwer, leider. Wir freuen uns aber umso mehr über Gäste, deren Leben ursprünglich mal in Österreich begann, irgendwas ist da oftmals anders, der Humor nämlich. Jetzt haben wir richtig Druck aufgebaut, aber mit sowas sind Schauspielerinnen und Schauspieler in der Regel vertraut. In besonders lustigen Rollen war Franziska Weisz bislang tatsächlich noch nicht zu sehen, dafür in besonders eindringlichen: In „Homeland“, „Kreuzweg“ oder „Der Taucher“ – und als Tatort-Kommissarin im Team mit Wotan Wilke Möhring. Franziska Weisz ist gerade 40 geworden. Sie hat keine Party mit tausend Leuten gemacht, keinen Kartoffelsalat angesetzt und keine Nockerl aus der Heimat vorbereitet. Sie hat Sprachen aufgefrischt, was man eben so macht: hier ein bisschen Italienisch, dort ein bisschen Griechisch. Schaden kann es nicht, vielleicht winkt ja bald eine Einladung in die „Akoustos Rust“, mit Übernachtung in Athen. Man weiß es nicht.

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April 28th, 2020

Igor Levit

Treffen sich ein Synonym-Wörterbuch und eine Gruppe Superlative in einer Hotelbar und schütten sich gegenseitig das Herz aus. „Dieser Levit“ seufzen sie. „Wunderkind. Ausnahmepianist. Jahrhunderttalent. Shootingstar, Superstar, Besessener, Überflieger, genialer Hund. Die Zeitungen überbieten sich seit Jahren. Wo soll das noch hinführen?“ Naja, Kritiker und Publikum jubeln ja nicht grundlos. Wenn sich der 33jährige an den Flügel setzt, passiert etwas Besonderes. Mit ihm, mit den Menschen und mit der Musik. Theoretisch könnte Igor Levit in seiner konzertfreien Zeit auf einer Luftmatratze im Meer liegen und sonst nichts tun, aber das würde nicht zu ihm passen. Er ist aktiv, er ist politisch, er ist unruhig. Als Corona kommt, spielt er per Livestream Abend für Abend über Twitter Hauskonzerte, die weltweit von bis zu 60.000 Menschen verfolgt werden. Und zu unserer Freude treffen wir ihn im Institut Francais im Maison de France, wo ein frisch gestimmter Flügel steht, das kann kein Zufall sein.

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April 14th, 2020

Billy Wagner

Wer Billy Wagner heißt, diese Art von Energie besitzt und in Berlin lebt, könnte gut DJ sein und ein bißchen ist es auch so. Der 38jährige ist nach eigenem Bekunden quasi jeden Abend Gastgeber einer Party, der Raum heißt „Nobelhart & Schmutzig“ und fungiert als Sternerestaurant im eher rumpeligen Part der recht langen Berliner Friedrichstraße.

Sternerestaurant! Das klingt ja sehr etepetete. Mit Sicherheit macht es Wagner, dem Wirt, und seinem Team vielleicht auch Spaß, mit bestimmten Erwartungen an so ein Etablissement zu brechen. Hier mag man es wild, ursprünglich und setzt rigoros auf Produkte aus der Region. Das geht so weit, dass auf Pfeffer oder Olivenöl oder Vanille verzichtet wird.

Zudem bekommt man den Eindruck, Wagner sei in puncto Lebensmittelqualität missionarisch unterwegs – und das ist auch gut so. Wir können bestimmt ein bißchen was von ihm lernen. Am Ostersonntag in der Hörbar Rust auf radioeins.

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April 7th, 2020

Archiv: Rüdiger Nehberg in der Hörbar Rust (25.08.2013)

Zur Erinnerung an Rüdiger Nehberg, Aktivist für Menschenrechte und Survival-Experte. Patent ist der gebürtige Bielefelder schon als Junge. Er bastelt sich ein Fahrrad, mit dem er knapp 17-jährig für zwei Monate Richtung Marokko fährt. Alleine überquert er Stadt- und Landesgrenzen, schläft nachts im Freien. Die Reisen und das Thema „Survival“ bleiben das Hauptthema im Leben von Rüdiger Nehberg, der für fast 30 Jahre als Konditormeister in Hamburg parallel noch ein verhältnismäßig geordnetes Leben führt. Ende der 80er jedoch widmet sich der Abenteurer verstärkt den Belangen bedrohter Völker und Gebiete, richtet mit spektakulären Aktionen das Augenmerk auf die Ausrottung indigener Stämme, baut Kliniken im brasilianischen Dschungel oder in Äthiopien und gilt mit seiner Frau Annette als einer der wichtigsten Kämpfer gegen die weibliche Genitalverstümmlung, der sich weltweit nach wie vor – täglich! -etwas sechs bis 8.000 Mädchen und Frauen unterziehen müssen. Die Hörbar mit Rüdiger Nehberg vom 25. August 2013 aus dem Park am Gleisdreieck auf radioeins.

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März 31st, 2020

Barbara Becker

„Open up“, mag man da nur ausrufen, „open up“! Möglicherweise stößt dieser Name bei einigen von Ihnen und Euch auf eine Assoziationskette, die man irgendwo zwischen Klischee und Vorurteil anfangen sollte aufzuribbeln. Ja, richtig, Frau Becker, seit Jahren übrigens höchst erfolgreiche Designerin und Unternehmerin, ist die wohl bekannteste Ex-Frau Deutschlands. Da war doch was? Klar. Die Hochzeit mit Tennislegende Boris Becker, zwei gemeinsame Kinder, die Scheidung, Miami, die Öffentlichkeit nahm an jedem Fitzel Leben teil. Und über das Thema Heldenverehrung werden wir vielleicht noch kurz sprechen. Wie schon angedeutet: Barbara Becker bespielt längst mehr als nur einen Platz in der Welt des Designs: Sie entwirft erfolgreich Schmuck und Mode, Teppiche, Tees, Tapeten und vieles mehr. Die 53jährige gilt als Sport-Queen und Stil-Ikone. Wir werden Sie nicht aus dem Studio lassen, bevor sie uns verrät, wie man gleichzeitig so gestählt, selbst-diszipliniert und entspannt sein kann – am Sonntag in der Hörbar.

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März 24th, 2020

Natalija Yefimkina

Wer diese Sendung kennt, der weiß: Hier kommen für gewöhnlich ein paar Stichworte zur Biografie unseres Gastes, ein paar Stationen, Hinweise, prägnante Punkte. Bitte glauben Sie uns, im Leben dieser 36-jährigen Frau gibt es so viele große und kleine Orte, Situationen und Geschehnisse, dass es schwer fiele, eine solche Zusammenstellung vorzunehmen. Vielleicht das:
Natalja Yefimkina kommt gebürtig aus der Ukraine. Als Tochter zweier russisch-ukrainischer Wissenschaftler im Sommer ’83 in Kiew geboren, flüchtete die Familie nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl nach Sibirien. 1995 ging es nach Deutschland – nach Bochum, Ulm und schließlich Berlin, wo sie heute glücklich mit ihrer eigenen kleinen Familie lebt.
Auf der Berlinale stellte sie just ihre Debutarbeit als Regisseurin vor, einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Garagenvolk“, der sofort den Heiner-Carow-Preis abräumte und auf vielen Festivals – zu Recht – gefeiert wird. Aber alles andere, was zwischen ihrer Geburt und dem Jetzt liegt, ist ein wildes Springen über den Globus, ein Galopp durch Sorgen und Freuden und ein tolles Erleben der Welt durch ihre Augen.

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