WDR 3 Samstagsgespräch: Raoul Mörchen im Gespräch mit Magarete Mitscherlich (aus der Sendung WDR 3 Mosaik vom 04.12.2010)

Die Grande Dame der Psychoanalyse
Weltberühmt wurden Margarete und Alexander Mitscherlich durch ihre aufsehenerregende Studie „Die Unfähigkeit zu trauern“, die 1967 erschien. Darin analysierten die beiden den Umgang der Deutschen mit der NS-Zeit und stießen damit die allmähliche Auseinandersetzung mit den verdrängten Verbrechen an. Auch die Wiederbelebung der Psychoanalyse in Deutschland ist ihrem Engagement zu verdanken, denn die Nazis hatten die meisten Analytiker in die Emigration getrieben. Dabei sahen die Mitscherlichs in der Psychoanalyse nie nur eine Möglichkeit der individuellen Persönlichkeitsentwicklung, sondern immer auch ein Instrument der Gesellschaftskritik. „Erkenne dich selbst und deine Zeit“, lautet denn auch ein Leitsatz in Margarete Mitscherlichs publizistischem Werk, das nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1982 beständig weiter wuchs. Eines ihrer zentralen Themen ist dabei das Rollenverhalten von Männern und Frauen. Heute ist Margarete Mitscherlich 93 Jahre alt und immer noch hat sie einige Patienten. Gerade ist ihre Aufsatzsammlung „Die Radikalität des Alters“ erschienen, in der sie eine Bilanz ihres Lebenswerkes zieht.

Buchhinweis:
Margarete Mitscherlich: Die Radikalität des Alters
Einsichten einer Psychoanalytikerin
S. Fischer Verlag, 2010
18,95 Euro © WDR 2010

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