Rolf Schneider, Schriftsteller – 09.07.2012

Der Zweite Weltkrieg, Bau und Fall der Berliner Mauer: Rolf Schneider hat das alles erlebt! Aber wenn man mit ihm spricht, will man ihm seine 80 Jahre gar nicht glauben. Seinen wachen Geist hat der hochgebildete Mann dem Schreiben und dem unstillbaren Hunger auf Bücher und Bildung zu verdanken. Obwohl ihm dieses Interesse im Arbeiterhaushalt seiner Eltern keineswegs in die Wiege gelegt wurde: 1932 wurde er als Sohn eines Werkmeisters und einer Textilarbeiterin in Chemnitz geboren. Zuhause hatte er nur einen kleinen Bücherschrank, deshalb bediente er sich schon früh in den Bibliotheken von Freunden der Eltern. Nach dem Abitur studierte er Germanistik, wurde dann Redakteur und schrieb ein Radiohörspiel. Schon diese erste Veröffentlichung hatte beachtlichen Erfolg. Deshalb machte er sich bereits mit 26 als Schriftsteller selbstständig. Widerwillig trat er dem Schriftstellerverband der DDR bei, um die Möglichkeit zur Ausreise zu bekommen. Mit systemkritischen Büchern wie „November“ oder auch seinem Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns machte er sich bei den DDR-Kulturbehörden zunehmend unbeliebt. Er blieb zwar dort, öffentliche Auftritte wurden aber stark eingeschränkt. Mit seinem breit gefächerten Werk von Erzählungen, Romanen, Bühnenstücken, Hörspielen, Fernsehfilmen, Reisebüchern und Essays gehörte er aber zu den wenigen DDR-Schriftstellern, die auch in der BRD bekannt wurden. Heute lebt der zweifache Vater und Großvater bei Berlin und genießt den neuen, geradezu unerschöpflichen Zugang zu Wissen und Bildung: Das Internet!

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