Archiv für ‘DRS Tagesgespräch’

23. Mai 2017

Beat W. Zemp zum Sprachenstreit

Der Sprachenstreit ist vorerst abgewendet: Das Zürcher Stimmvolk hat gestern an der Urne das Frühfranzösisch gestärkt – gegen den Willen der Lehrerschaft. Was geschehen muss, damit die Qualität des Sprachenunterrichts steigt, erklärt Lehrerpräsident Beat W. Zemp im Tagesgespräch bei Marc Lehmann.Die Zürcher Lehrerinnen und Lehrer wollten einen Systemwechsel: Nur noch eine Fremdsprache in der Primarschule, denn mit zwei Sprachen seien die jungen Schülerinnen und Schüler überfordert. Die Stimmbürger haben dem Ansinnen eine Absage erteilt und somit den eidgenössischen Sprachenkompromiss gerettet. Vorerst: Denn schon bald kommen in weiteren Deutschschweizer Kantonen Initiativen zur Abstimmung, die sich explizit gegen das Frühfranzösisch richten.Wo steht die Lehrerschaft in der Sprachenfrage? Und warum werden ihr immer weitere Aufgaben aufgebürdet, die dazu führen, dass viele ihren Beruf frustriert an den Nagel hängen? Beat W. Zemp – seit über 25 Jahren Präsident des Schweizer Lehrer-Dachverbands – über die vielen Baustellen im Schweizer Bildungswesen.

Share
20. Mai 2017

Peter Spuhler: 75 Jahre Stadler und der neue EC250 GIRUNO

Heute in Bussnang TG: der Rollout des EC250, der ab 2019 durch den neuen Gotthardtunnel braust. Am Wochenende Tag der offenen Türe bei Stadler Rail und ein Jubiläum. Der Unternehmer Peter Spuhler ist Gast von Susanne Brunner.Angefangen hat Stadler als Ingenieurbüro im Jahr 1942 in Zürich, ab 1945 stellte sie kleine Rangierlokomotiven her. Als Peter Spuhler die Firma 1989 von Irma Stadler kaufte, hatte sie gerade mal 18 Angestellte. Heute ist Stadler Rail ein Konzern mit weltweit 7000 Mitarbeitenden. Alleine in Bussnang im Kanton Thurgau, wo heute der neue Hochgeschwindigkeitszug GIRUNO ausgefahren wird, arbeiten fast gleich viele Menschen wie dort wohnen, nämlich 1700.Peter Spuhler, CEO und Verwaltungsratspräsident der Stadler Gruppe, ist als Unternehmer ein Phänomen, der sich auch als langjähriger SVP-Nationalrat einen Namen gemacht hat. Stadler hat ursprünglich in der Bankenwelt angefangen nach dem Studium. Doch er habe schnell gemerkt: „Diese Welt ist mir zu wenig real, ich bin eher geschaffen für Maschinen.“ Das Unternehmer-Gen habe er eher von seiner Mutter geerbt, sagt Spuhler. Sie hatte eine Kleiderfabrik geführt.Der Stadler-Chef glaubt an den Werkplatz Schweiz. „Gute Chancen hat die Schweiz bei Spezialanfertigungen, nicht beim Massengeschäft.“ Da könne die Schweiz punkto Löhne nicht mithalten.In den nächsten Tagen wird gefeiert: 75 Jahre Stadler, und ein neuer Zug, von dem die SBB 29 Stück bestellt hat. Grund genug, mit dem Unternehmer zu reden: über den Weg zum Erfolg und die Zukunft.

Share
20. Mai 2017

Daniel Voll zu Haiti, der einstigen Perle der Antillen

Immer wieder wird die Karibik-Insel Haiti von schweren Naturkatastrophen heimgesucht. Wie sieht es sieben Monate nach dem Wirbelsturm Matthew und sieben Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti aus? SRF-Auslandredaktor Daniel Voll schildert seine Eindrücke im «Tagesgespräch» bei Marc Lehmann.Auch nach dem Hurrikan Matthew vom letzten Oktober muss Haiti leiden. Die Umwelt ist zerstört, die Häuser kaputt, das Wasser verunreinigt, Cholera droht. Doch die Nachbarstaaten werden von Katastrophen jeweils auch in Mitleidenschaft gezogen, und trotzdem trifft es die ehemalige französische Kolonie immer schlimmer? Warum? Und was geschieht eigentlich mit den Hilfsgeldern, die auch aus der Schweiz dank grosser Solidarität nach den Naturkatastrophen gespendet werden? Ist der Krisenstaat in der Lage, sie zu verwalten?Daniel Voll hat sieben Monate nach dem Hurrikan Matthew und sieben Jahre nach dem verheerenden Erdbeben einen Augenschein genommen.

Share
18. Mai 2017

Fenaco-Chef Martin Keller: Zwischen Scholle und Globalisierung

Jede zweite Kartoffel in der Schweiz vermarktet die Fenaco Genossenschaft. «Das Unternehmen der Bauern» bestimmt mit, was wir essen, wie wir uns dabei fühlen. Gast von Susanne Brunner ist Fenaco-Chef Martin Keller.Glückliche Hühner, sorgfältig gepflegtes Biogemüse und zufriedene Bauern: So sieht die Landwirtschaft in der Werbung aus. Die Heimatromantik kommt an. Gesunde Nahrungsmittel aus der Schweiz sind im Trend, und damit wir sie auch bekommen, plant Fenaco mit den landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbänden unsere Landesversorgung und ihre Vermarktung.Die Frostschäden im April bekommt deshalb auch die Fenaco zu spüren. ¦«Wir leben mit Schwankungen, das ist Teil des Geschäfts», sagt Martin Keller und fügt an: «Wir wissen schon jetzt, dass wir nicht genügend Schweizer Aprikosen, Zwetschgen oder Kirschen auf den Markt bringen können.»An der Fenaco mit ihren über 9000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von knapp sechs Milliarden Schweizer Franken kommt kein Bauer vorbei: Aus dem Genossenschaftsbetrieb ist längst ein Konzern geworden, zu dem unter anderem Landi gehört, und der Coop und Migros mit einheimischen Produkten beliefert. Und Fenaco steht dahinter, wenn neue Produkte den Weg vom Boden in die Regale der Detailhändler finden, dieses Jahr zum Beispiel sogenannte Snack-Rüebli. ¦«Wir schauen dabei durchaus auch bei ausländischen Produzenten ab», gibt Keller zu.Ein Gespräch über Preisdruck, Effizienz, Technologie und Konkurrenz aus dem Ausland mit dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung der Fenaco Genossenschaft.

Share
18. Mai 2017

Jürg Schmid verlässt Schweiz Tourismus

Der oberste Verkäufer der Schweiz tritt ab: Jürg Schmid verlässt nach 18 Jahren als Direktor die Marketing-Organisation Schweiz Tourismus. Im «Tagesgespräch» bei Marc Lehmann zieht er Bilanz.«Den Massentourismus sollten wir anderen überlassen und uns auf Qualitätstourismus konzentrieren», sagt Jürg Schmid. Er hat rund um den Globus die Werbetrommel für die Schweiz gerührt und unser Land vor allem als spektakuläres Naturerlebnis angepriesen. Seinem Ruf sind immer mehr Touristen aus fernen Destinationen gefolgt – dafür haben die Gäste aus den Nachbarländern zunehmend einen Bogen um die Schweiz gemacht. Dabei spielten nicht beeinflussbare Faktoren wie der starke Franken gegen ihn. «Digital ist Schweiz Tourismus top», sagt Schmid, der seinerzeit aus der Computerbranche kam. Was hat Jürg Schmid mit seiner Organisation für den hiesigen Tourismus sonst noch bewirken können?

Share
16. Mai 2017

Patrik Schellenbauer: Schädliche Mindestlöhne?

Damit die Schweizer Wirtschaft die Personenfreizügigkeit mit der EU bekam, musste sie die Flankierenden Massnahmen akzeptieren. Diese will Avenir Suisse Chefökonom Patrik Schellenbauer aber so nicht mehr. Er ist Gast von Susanne Brunner.Letzte Woche gab das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO bekannt, dass sich rund ein Viertel der von ihm kontrollierten Betriebe nicht an die geltenden Lohn-und Arbeitsbestimmungen hält. Im Klartext: Lohndumping kommt immer häufiger vor, besonders bei Firmen ohne GAV. Dank den Flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit werden solche Firmen gebüsst. Der wirtschaftsliberale Think Tank Avenir Suisse kann aber mit den Flankierenden Massnahmen nicht viel anfangen: Heute Vormittag stellte er eine Studie vor, die vor allem Mindestlöhne in Frage stellt. Sie würden besonders Jungen und Ungelernten den Einstieg in den Arbeitsmarkt erschweren. In Zeiten, in denen die Personenfreizügigkeit stark unter Druck ist, setzt sich Avenir Suisse mit solchen Aussagen in die Nesseln. Warum und warum jetzt?

Share
13. Mai 2017

Rolf Clement zum Rechtsextremismus in der Bundeswehr

In Deutschland erschüttert ein Skandal um mutmassliche rechtsextreme Terroristen die Bundeswehr. Drei Männer wurden bereits festgenommen. Sie sollen fremdenfeindliche Anschläge geplant haben. Rolf Clement, Militär- und Sicherheitsexperte beim Deutschlandfunk in Köln, erklärt die Zusammenhänge.Die terrorverdächtigen Soldaten hatten einen perfiden Plan: Unter falscher Identität – als syrischer Flüchtling – wollte einer der Männer Anschläge u.a. auf den deutschen Justizminister oder den früheren Bundespräsidenten verüben. Der Verdacht wäre dann wohl zuerst auf die Flüchtlinge gefallen.Das wirft Fragen auf – nicht nur zur Frage der rechtsextremen Unterwanderung der Bundeswehr, sondern auch zur generellen Sicherheitslage in Deutschland. Denn wie kann es sein, dass man problemlos zu einer falschen Identität kommt? Arbeiten die Migrationsbehörden dermassen schlecht? Es seien kapitale Fehler gemacht worden, sagt Clement. «Die wissen, dass das bei ihnen total schiefgelaufen ist», sagt Clement. Aber das liege nicht am System.Derweil steigt auch der Druck auf Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen von der CDU. Ihr Krisenmanagement wird kritisert. Von der Leyen wurde an eine Sondersitzung des Verteidigungsausschusses zitiert. Sie kündigte umfassende Reformen für die Bundeswehr an.

Share
11. Mai 2017

Pierre Triponez zur Lage der Pensionskassen

Die Pensionskassen stehen unter einem enormen Druck. Die Menschen werden immer älter; es braucht immer mehr Geld, um Renten zu zahlen. Woher soll das Geld kommen in Zeiten, in denen die Zinsen praktisch bei null sind? Der oberste Pensionskassen-Aufseher Pierre Triponez ist Gast bei Iwan Lieberherr.Die Zinserträge sind quasi der dritte Beitragszahler – neben Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Und dieser Beitragszahler fällt aus. Es tut sich eine Finanzierungslücke auf. Ganz so schwarz sieht es Pierre Triponez allerdings nicht.Er ist Präsident der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge, von jener Behörde, welche die Pensionskassen auch im Interesse der Versicherten kontrolliert. Er sagt: «Die 2. Säule ist nach wir vor eine wesentliche Säule unserer Altersvorsorge.» Die Pensionskassen stünden auf gesunden Beinen. «Aber wir müssen damit rechnen, dass die Dauer des Rentenbezugs immer länger wird.» Und dem müsse man Rechnung tragen – auch mit tieferen Renten. Es sei wichtig, stets an die Langfristigkeit zu denken. Das heisse für die Kassen, das Geld gut anzulegen, ohne zu grosse Risiken einzugehen.Pierre Triponez treiben auch Fragen rund um die Erhöhung des Rentenalters oder um höhere Beiträge für die Pensionkassen um: Auch solche Überlegungen seien nötig.

Share
11. Mai 2017

Antikorruptionsexperte Mark Pieth über den neuesten FIFA-Eklat

Abgesetzt. Die FIFA will ihre beiden Ethik-Chefs durch neue ersetzen. Die beiden Abgesetzten warnen, die FIFA setze ihre Zukunft aufs Spiel. Wirklich? Gast von Susanne Brunner ist der Basler Strafrechtsprofessor Mark Pieth.Unter Richter Hans-Joachim Eckert und dem Schweizer Ermittler Cornel Borbély wurden über 70 FIFA-Funktionäre verurteilt, gut 100 Verfahren sind am Laufen. Sogar gegen den eigenen Chef leiteten sie Ermittlungen ein, aber Gianni Infantino wurde freigesprochen. Haben die beiden den Bogen überspannt? «Infantino scheint Angst vor diesem Gremium zu haben. Er will die absolute Macht», sagt Pieth, «Infantino gibt sich damit eine Blösse.» Was heisst ihre Absetzung jetzt für die Zukunft der FIFA? «Die Vergangenheit ist noch nicht aufgeräumt, jetzt rutscht die FIFA zurück ins Zeitalter vor den Reformen.» Die FIFA hat an Stelle der beiden abgesetzten Ethikchefs eine hochkarätige Juristin aus Kolumbien und den ehemaligen Präsidenten des Europäischen Gerichtshofs zur Wahl vorgeschlagen. Sind sie glaubwürdig und unabhängig? «Bei der Unabhängigkeit stellen sich die Fragen; haben sie eine Beziehung zu irgendeinem Club oder Assoziation? Warum sind sie nicht unabhängig nominiert worden?», sagt Mark Pieth. Er ist Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Basel, und hat sich international einen Namen als Anti-Korruptionsexperte geschaffen, unter anderem als Vorsitzender der unabhängigen Kommission für Governance bei der FIFA, der er 2011 bis 2013 war.

Share
9. Mai 2017

Charles Liebherr und La France «En Marche!»

Der neue Präsident Frankreichs heisst Emmanuel Macron und mit seiner Bewegung «En Marche!» will er mehr sein als nur das «kleinere Übel», für das ihn viele halten. SRF Frankreich-Korrespondent Charles Liebherr ist Gast von Susanne Brunner.Am Schluss war sein Sieg deutlich: Mit einem Stimmenanteil von fast 66% hat Emmanuel Macron die Stichwahl gegen Marine Le Pen gewonnen. In wenigen Tagen tritt er sein Amt als Präsident an, und wird mit seinen 39 Jahren das jüngste Staatsoberhaupt Frankreichs seit Napoléon I. Auf eine etablierte Partei kann er nicht zurückgreifen, sondern vorerst auf eine Bewegung, die im Aufbau begriffen ist. Bereits jetzt heisst es: Macron werde kaum richtig regieren können, er werde scheitern. Der SRF-Frankreichkorrespondent meint: «Die Regierungszeit von Macron könnte sehr bedeutend werden.» Frankreich am Tag danach – eine Einschätzung.

Share
6. Mai 2017

Christoph Hartmann zum Zivildienst und seiner bewegten Geschichte

Christoph Hartmann leitet den Zivildienst, der letztes Jahr 20 Jahre alt wurde und jetzt für manche zu erfolgreich ist. Er ist Gast von Elisabeth Pestalozzi.«Zivis», die in Altersheimen helfen, nach Unwettern mit anpacken oder giftige Pflanzen ausreissen: Solche Bilder gehören heute zum Alltag. Solche Bilder zeigt auch ein neues Buch über den Zivildienst. Doch ist dieser Alltag relativ jung. Bis vor 20 Jahren kam ins Gefängnis, wer den Militärdienst nicht mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, manche Männer bis zu einem Jahr.Heute entscheiden sich immer mehr Männer für den längeren Zivildienst statt den Dienst in der Armee. Das ruft auch Kritiker auf den Plan. Zu attraktiv seien die Einsätze in sozialen Institutionen oder in der Natur. Der Armee fehlten deshalb engagierte Männer.Elisabeth Pestalozzi hat den Leiter des Zivildienstes, Christoph Hartmann, zum Gespräch gebeten. Einem Gespräch über die Geschichte des lange umstrittenen Dienstes und über seine Zukunft, die immer wieder zu Diskussionen führt.

Share
6. Mai 2017

Die Biografie des Rechtsanwalts Valentin Landmann

Hells Angels, Zuhälter, Mörder, Links- und Rechtsextreme, und aktuell ein Schweizer Spion: Valentin Landmanns Klientenliste liest sich wie in einem Thriller. Jetzt gibt es eine Biografie des Zürcher Rechtsanwalts: Er ist Gast von Susanne Brunner.«Valentin Landmann und die Panzerknacker», so heisst die Biografie, die der österreichische Publizist Manfred Schlapp über den bekanntesten Anwalt der Schweiz geschrieben hat. Sie gibt einen Einblick in das Leben des Strafverteidigers, der immer wieder in den Schlagzeilen ist, auch jetzt gerade wieder: Er ist der Verteidiger des mutmasslichen Schweizer Spions, der in Deutschland verhaftet wurde und im Moment für diplomatische Verstimmung zwischen den beiden Ländern sorgt.Der Fall ist typisch für Valentin Landmann, der immer wieder mit Fällen zu tun hat, die «explosiv» sind, «chaotisch». «Da ist es mein Bemühen, nicht einfach den Schwanz einzuziehen, sauber zu analysieren. Immer im Auge behalten, dass es um einen Menschen geht.»Harsche Kritik übt Valentin Landmann an den Schweizer Behörden: Sie würden seinen Klienten total fallen lassen. Dabei habe er doch im Auftrag des Nachrichtendienstes gearbeitet. «Es ist jämmerlich, wie man sich ihm gegenüber verhält.» Valentin Landmann hat in seinem Berufsleben keine Berührungsängste: «Ich verteidige ja nie ein Delikt, ich verteidige immer einen Menschen.»

Share
4. Mai 2017

Abstimmungskontroverse Energiegesetz

Am 21. Mai stimmen wir über das neue Energiegesetz ab. Die Eckpunkte: In der Schweiz sollen in Zukunft keine Kernkraftwerke mehr gebaut werden dürfen. Dafür sollen erneuerbare Energie stärker gefördert werden.Dazu kommen Massnahmen, um den Energieverbrauch zu senken. Die Befürworter sagen, so schaffe die Schweiz den Schritt weg vom Atomstrom, und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus dem Ausland werde reduziert – dafür einheimische Energie gefördert und Arbeitsplätze in der Schweiz geschaffen. Die Gegner argumentieren, die Energieversorgung der Schweiz sei in Gefahr, dazu kämen hohe Kosten und die Verschandelung der Landschaft.Bundesrat und Parlament sagen ja – die SVP hat zusammen mit Alliance Energie das Referendum ergriffen. Bei uns diskutieren Nationalrat Eric Nussbaumer, SP, er ist für die Vorlage und Nationalrat Hansjörg Knecht von der SVP, er ist gegen die Vorlage.

Share
4. Mai 2017

Edith Graf-Litscher und Thierry Burkart zum ÖV in den Regionen

Knapp eine eine Milliarde Franken wollte der Bundesrat pro Jahr für Busse und S-Bahnen ausgeben. Das reiche, so Thierry Burkart von der FDP. Es brauche mehr, konterte SP-Frau Edith Graf-Litscher. Und bekam Recht. Sie sind Gäste von Elisabeth Pestalozzi.Täglich transportieren Regionalzüge, S-Bahnen und Busse in der Schweiz zwei Millionen Menschen – und es werden immer mehr. Die Angebote müssen ausgebaut werden, zum Beispiel im Tessin, in der Ostschweiz oder auch im Aargau. Deshalb wollte der Bund seinen Anteil am regionalen Personenverkehr erhöhen – auf knapp vier Milliarden Franken für die nächsten vier Jahre.Doch den betroffenen Kantonen und den Bahnunternehmen war das zu wenig. Der Ständerat hat deshalb im Frühling den Bundesbetrag bereits aufgestockt. Heute nun ist ihm der Nationalrat gefolgt.Doch: Wo soll das zusätzliche Geld wieder eingespart werden? Und reichen diese Massnahmen gegen überfüllte Busse, verstopfte Züge – oder braucht es nicht ein grundsätzliches Umdenken in unserem Anspruch auf Mobilität?Die Verkehrsdiskussion mit SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher und FDP-Nationalrat Thierry Burkart.

Share
2. Mai 2017

Jacqueline Badran, SP-Nationalrätin und Unternehmerin zum 1. Mai

Die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran hält heute eine Rede zum Tag der Arbeit in Thun. Obwohl sie bei der SP ist, ist sie als Unternehmerin und Arbeitgeberin eine untypische 1.-Mai-Rednerin. Sie ist Gast von Susanne Brunner.Typischerweise reden am 1. Mai Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, und nicht unbedingt Arbeitgeber und Unternehmerinnen. Jacqueline Badran ist CEO der Firma Zeix AG, die sie vor 17 Jahren gegründet hat. Sie beschäftigt heute 26 Mitarbeitende und sagt, in ihrer Firma habe sie den Kapitalismus abgeschafft. Geht das überhaupt in einer Arbeitswelt, die immer stärker von Konkurrenz, Preisdruck und Digitalisierung geprägt ist? In der eigenen Firma ein anderes Arbeitsklima zu schaffen, ist zudem eine Sache, mit der Angst vor Arbeitsplatzverlust umzugehen und als Politikerin Lösungen zu finden, eine ganz andere. Ein Gespräch über Arbeit und ihre Zukunft.

Share
29. April 2017

Casimir Platzer und die Nöte der Schweizer Restaurateure

Das Gastgewerbe in der Schweiz steht vor grossen Herausforderungen. Grosses Geld lässt sich mit Wirten nicht verdienen, gibt Casimir Platzer bei Ivana Pribakovic im «Tagesgespräch» zu. Der Präsident von Gastrosuisse ist selbst Gastgeber und Hotelier in Kandersteg.Essen in Schweizer Restaurants ist teurer als im benachbarten Deutschland und in Frankreich, Übernachtungsangebote in Österreich locken sparsame Gäste aus der Schweiz in Scharen an. Kommt dazu, dass findige Kleinunternehmer Mahlzeiten liefern, wenn man sie über eine App bestellt. Für die Wirte in der Schweiz wird die Luft dünn. Die Branche habe nach wie vor grosse Sorgen, sagt Casimir Platzer, Präsident von Gastrosuisse.«Der Preisunterschied ist da.» Die Löhne seien zwei bis dreimal so hoch wie im Umland und auch Einkaufspreise und Landkosten seien deutlich höher. Er sei aber überzeugt, dass die Talsohle bezüglich des starken Frankens erreicht sei. Zudem würden die Traditionsrestaurants frischere und bessere Gerichte produzieren als viele Takeaway-Läden. Den Mitgliedern empfehle Gastrosuisse daher, sich zu öffnen; ihre Gerichte auch über die Gasse zu verkaufen, zum Beispiel. «Auch die Digitalisierung wird die Branche und das Kundenverhalten stark beeinflussen. Das sehen wir als Chance – auch für Traditionsrestaurants.»

Share
29. April 2017

Student/innen mit einer Vision für Europa im Jahr 2030

Viviane Soldenhoff (23), Shuting Ling (23) und Jonas Waeber (25) sind drei von 54 jungen Frauen und Männer, die an einem Bericht über die Zukunft Europas mitgearbeitet haben. Der Bericht ist da, sie sind jetzt Gäste im «Tagesgespräch» von Susanne Brunner.Am 19. September 1946 hielt Winston Churchill seine berühmte Europa-Rede in Zürich. Rundum den 70. Jahrestag dieser Rede trafen sich letztes Jahr 54 Studentinnen und Studenten aus 37 europäischen Ländern, um über Europa und die EU im Jahr 2030 zu diskutieren. Die Veranstaltung trug den Namen «European Future Leaders Conference».Im November 2016 trafen sich 54 junge Frauen und Männer aus über 30 europäischen Ländern in Zürich, um über die Zukunft Europas zu diskutieren. Heute Vormittag präsentieren einige von ihnen einen Bericht, in dem sie 16 Vorschläge und Postulate der damaligen Konferenz vorstellen. An der Medienkonferenz heute dabei waren zwei Studentinnen und ein Student aus der Schweiz: Viviane Soldenhoff studiert an der Universität Zürich Publizistik und Kommunikationswissenschaft und ist im Erasmus Student Network engagiert; Shuting Ling studiert an der gleichen Uni Politik und Englische Literatur und ist aktiv in der Organisation Model United Nations. Jonas Waeber studiert an der Pädagogischen Hochschule Bern und ist Mitglied von Young European Swiss.

Share
27. April 2017

Matthias Kamber, Mr. Antidoping, geht

Fast 30 Jahre seines Lebens hat er dem Kampf gegen Doping im Spitzensport gewidmet. Jetzt gibt Matthias Kamber die Leitung der Schweizer Antidoping-Agentur ab. Im «Tagesgespräch» bei Ivana Pribakovic erzählt er, warum er geht, obwohl es noch so viel zu tun gäbe.In den Jahren, als noch kaum jemand von Doping sprach, engagierte er sich dagegen. Er überführte die grossen Schweizer Dopingsünder: den Radprofi Oskar Camenzind und die Triathletin Brigitte McMahon. Wenn man in der Schweiz von Dopingbekämpfung spricht, kommt den meisten auch nur Matthias Kamber in den Sinn. Wer tritt in seine grossen Fussstapfen? Eine schwierige Aufgabe, denn der jetzige Direktor von Antidoping Schweiz hat nicht nur viel Erfahrung, sondern als Chemiker auch grosse Sachkenntnis. Wer auch immer kommt, muss ums Geld weibeln: Antidoping Schweiz muss mit einem Budget von 4,7 Millionen Franken auskommen. Viel zu wenig, sagt Kamber im «Tagesgespräch». Das reicht knapp für 700 bis 800 Blutkontrollen im Jahr. «Zu wenig sagt Kamber, der unter anderem deshalb ein Budget von sechs Millionen Franken jährlich fordert.In sportpolitischer Hinsicht fordert Kamber, dass nicht nationale Stellen die Kontrollen der Spitzensportler durchführen, sondern eine internationale Organisation. Nur so könne für Chancengleichheit gesorgt werden, argumentiert Kamber. Allerdings sieht Kamber auf internationaler Ebene einiges im Argen. Dass es nicht möglich war, russische Athleten zu sperren, nach dem das «Staatsdoping» aufgeflogen war, bedauert er sehr.

Share
27. April 2017

Sergio Devecchi: «Heimweh. Vom Heimbub zum Heimleiter.»

Sergio Devecchi war Heimleiter, zuletzt im Jugendheim Schenkung Dapples in Zürich. Was bis zu seiner Pensionierung kaum jemand wusste: Er war auch ein Heimkind. In einem Buch und jetzt bei Susanne Brunner erzählt er seine Geschichte.Sergio Devecchi war vielen bekannt als Fachmann. Der Jugendheimleiter war Präsident von Integras, dem Schweizerischen Fachverband für Sozial- und Sonderpädagogik, und sein Wissen über den Umgang mit straffälligen und sogenannt dissozialen Jugendlichen ist auch nach seiner Pensionierung im In- und Ausland gefragt. Was Sergio Devecchi während seinem ganzen Berufsleben niemandem verriet: Er war nicht nur akademischer Fachmann, er kannte das Heimleben von frühester Kindheit an. Als Sohn einer unverheirateten Mutter wurde er als Säugling in ein Tessiner Heim gebracht, und kannte bis zu seiner Volljährigkeit nichts anderes als das Heimleben. «Ich habe keine Geschichte der Kindheit, keine Fotografien, niemand, der mir sagte, wie ich war als Kind», sagt Devecchi. «Bevor ich in den Kindergarten kam, wusste ich nicht, dass es Mütter und Väter, Eltern, gibt.» Warum er so lange schwieg, sogar wenn ihm als Heimleiter Jugendliche vorwarfen, er habe ja keine Ahnung vom Heimleben, das beschreibt er in einem Buch. «Die Scham sass so tief, dass ich nicht darüber sprechen konnte.» Devecchi erzählt im Buch nicht nur seine eigene Geschichte, sondern auch ein Stück weit die des Heimwesens in der Schweiz aufarbeitet. Heute Abend stellt er sein Buch «Heimweh. Vom Heimbub zum Heimleiter,» in Zürich vor.Buchhinweis: Sergio Devecchi: Heimweh. Vom Heimbub zum Heimleiter, Stämpfli Verlag AG 2017

Share
25. April 2017

Stefan Petzner: «Trump to go.» Populismus kurz erklärt.

Stefan Petzner war jahrelang der engste Mitarbeiter des österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider. Jetzt warnt er In einem Buch, das am Tag vor den französischen Wahlen erschien, vor Populismus. Er ist Gast von Susanne Brunner.Als 22-Jähriger kam Stefan Petzner ins Team von Jörg Haider, der ihn schon als Jungen in seinen Bann gezogen hatte. Jörg Haider prägte damals die österreichische Politik: die Freiheitliche Partei Österreichs FPÖ, deren Vorsitzender Haider lange war, feierte Wahlerfolge, wurde 2000 sogar zum Regierungs-Koalitionspartner der ÖVP, was internationale Proteste auslöste. Haider provozierte mit ausländerfeindlichen, Nazi-freundlichen Aussagen und Parolen, und kam damit an. 2005 gründete er das Bündnis Zukunft Österreich BZÖ, das sich von der FPÖ abspaltete. Für das BZÖ war Stefan Petzner Haiders Spin-Doctor, also Haiders Mann für den Wahlkampf, bis Haider 2008 bei einem Autounfall ums Leben kam. Petzner wurde selbst BZÖ-Politiker, später aber aus der Partei ausgeschlossen. In den letzten Jahren hat er sich kritisch mit Haider und seiner Politik auseinandergesetzt. «Ich war sehr jung zu Jörg Haider gekommen und glaubte an diese Person und seine Politik. Politik sah ich als Job und auch aus Kalkül. Ich wollte gewinnen um jeden Preis. Heute will ich die Leute zum Nachdenken anregen.» Als einer, der von innen weiss, wie Populismus funktioniert, warnt er nun davor, im Buch «Trump to go. Eine kurze Erklärung wie Populismus funktioniert.» «Populistische Politik ist wie Hollywood-Kino, mit Guten und Bösen und einem finanlen Kampf und Happy End», so Petzner. Seine Thesen überträgt er auch auf die Präsidentschaftswahlen in Frankreich.Buchhinweis:Stefan Petzner: «Trump to go. Eine kurze Erklärung wie Populismus funktioniert.» edition a Wien 2017

Share