Archiv für ‘DRS Tagesgespräch’

16. Dezember 2017

David McAllister: Die EU und der Brexit

Gehts bald voran mit dem Austritt Grossbritanniens aus der EU oder drohen wieder Rückschläge? Die EU-Regierungschefs bewerten am heutigen Gipfel, ob nach dem ersten Durchbruch die zweite Verhandlungsphase gestartet werden kann. Eine Einordnung von David McAllister im Tagesgespräch bei Marc Lehmann.Letzte Woche verkündeten EU-Kommissionspräsident Juncker und die britische Premierministerin May erste konkrete Ergebnisse bei den Brexit-Verhandlungen: Das Bleiberecht der EU-Ausländer in Grossbritannien ist gesichert, London wird seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen und die Grenze zwischen Irland und Nordirland soll weiter offen bleiben. Nun müssen die EU-Staats- und Regierungschefs an ihrem heute Nachmittag beginnenden Gipfel diesen Durchbruch bestätigen und grünes Licht für die zweite Verhandlungsphase geben. Wie soll das künftige Verhältnis zwischen Grossbritannien und der EU aussehen? Der Deutsch-Brite David McAllister ist mit den Problemen sowohl auf britischer wie auf EU-Seite vertraut. Als Präsident des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament ist er nahe dran an den Brexit-Verhandlungen. Der CDU-Politiker und frühere Ministerpräsident von Niedersachsen ist zu Gast bei Marc Lehmann.

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16. Dezember 2017

Thomas Gutersohn: Wer schafft Jobs in Indien?

Eine Million Menschen kommen in Indien pro Monat neu in den Arbeitsmarkt. Premierminister Narendra Modi versprach ihnen viele neue Jobs. Und jetzt? SRF Südasien-Korrespondent Thomas Gutersohn ist Gast von Susanne Brunner.Narendra Modi hat es vom Sohn eines Teestandbesitzers aus dem indischen Bundesstaat Gujara zum Premierminister Indiens gebracht. Und zu internationaler Bekanntheit. Er versprach die Modernisierung von Wirtschaft und Verwaltung und fast schon ein Jobwunder, nicht nur in seinem heimischen Gujarat, sondern für ganz Indien. Doch ausgerechnet im Bundesstaat, aus dem er stammt, und dem er mehr als zehn Jahre als Regierungschef vorstand, wird er jetzt kritisiert. Viele haben nicht profitiert von seinen Reformen, im Gegenteil. Das könnte Modis Regierungspartei Sitze kosten. Die Ergebnisse des Urnengangs dieser Woche werden am Montag erwartet.

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14. Dezember 2017

Enrique Baron Crespo: Katalonien vor der Wahl

Ist den Katalanen die Lust auf Unabhängigkeit nach den Querelen der letzten Monate vergangen oder heisst es nun: jetzt erst recht! Die Wahlen nächste Woche werden Klarheit bringen. Wie von Madrid aus auf die Sezessionswünsche geschaut wird, erklärt Enrique Baron im Tagesgespräch bei Marc Lehmann.Zuerst das illegale Unabhängigkeitsreferendum, dann die Ausrufung einer Republik Katalonien – schliesslich die von der Zentralregierung in Madrid verfügte Zwangsverwaltung der abtrünnigen Region und die Flucht des katalanischen Regierungschefs Puigdemont nach Brüssel: Spanier und Katalanen blicken auf ereignisreiche Monate zurück. Die spanische Verfassung ist eindeutig: Sie erlaubt keiner Region die Abspaltung vom Zentralstaat. Aber könnte Madrid den freiheitsliebenden Katalanen denn nicht ein Stück weit entgegenkommen und mehr Autonomie gewähren? Enrique Baron ist ehemaliger spanischer Minister und früherer Präsident des europäischen Parlaments. Er blickt von Madrid aus auf Katalonien und denkt über die europäische Dimension dieses Konflikts nach.

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14. Dezember 2017

Cyril Zimmermann: Mehr Professionalisierung für Schiedsrichter

Seit Jahren wird über die Professionalisierung von Fussball-Schiedsrichtern diskutiert. Jetzt wird der Schweizerische Fussball-Verband aktiv. Gast von Susanne Brunner ist Cyril Zimmermann, neuer Elite-Referee Manager beim SFV.An der Fussball-WM nächstes Jahr in Russland wird kein Schweizer Schiedsrichter dabei sein. Für die einen der Beweis, dass unsere Schiedsrichter im Spitzenfussball nicht mehr mithalten können, weil sie ihre Zeit zwischen einem Teilzeitjob und ihrer Arbeit auf dem Fussballplatz aufteilen müssen. Eine Teilzeitprofessionalisierung soll nun Abhilfe schaffen. Was heisst das konkret? Die Swiss Football League und der Schweizerische Fussball-Verband haben heute informiert.

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12. Dezember 2017

Martina Hingis & Mark Streit: Weltsportler «Made in Switzerland»

Beide haben Schweizer Sportgeschichte geschrieben und für ihre Disziplin die Tür zur Weltbühne aufgestossen – nun sind sie praktisch gleichzeitig zurückgetreten: Die Tennisspielerin Martina Hingis und der Eishockeyaner Mark Streit blicken im Tagesgespräch bei Marc Lehmann auf ihre Karrieren zurück.Sie war die erste Schweizer Welt-Nummer 1 im Tennis, er hat sich als erster Schweizer Feldspieler in der NHL, der besten Eishockeyliga der Welt, durchgesetzt: Martina Hingis und Mark Streit haben die Sport-Landkarte verändert. Entgegen der bis dahin verbreiteten Mentalität, zuerst einmal etwas «Rechtes» zu lernen und erst dann auf den Sport zu fokussieren, haben die beiden von Anfang an alles auf eine Karte gesetzt. Was haben sie hierzulande damit ausgelöst?Vor gut einem Monat sind die beiden Weltkarrieren praktisch gleichzeitig zu Ende gegangen. Hingis tritt als Grandslam-Siegerin und Nummer 1 der Doppelweltrangliste ab, Streit als Stanley-Cup-Sieger. Nun sind sie zurück in der Schweiz. Marc Lehmann hat Martina Hingis und Mark Streit im Vorfeld der Verleihung der Sports Awards im Radiostudio versammelt.

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9. Dezember 2017

Andrea Ypsilanti zur Zukunft der SPD

Sich in der Opposition neu erfinden oder doch wieder in einer grossen Koalition mitregieren? Das ist die Frage, die sich den deutschen Sozialdemokraten an ihrem dreitägigen Parteitag ab heute stellt. Die SPD-Politikern Andrea Ypsilanti diskutiert im «Tagesgespräch» mit Marc Lehmann.Er werde seine Partei in die Opposition führen, wo sie sich neu aufstellen könne, sagte SPD-Chef Martin Schulz nach der verlorenen Bundestagswahl. Nun aber, nach dem Scheitern der sogenannten Jamaika-Gespräche, stellt sich für die Sozialdemokraten doch wieder die Frage nach einer Regierungsbeteiligung. Soll sie sich aus staatspolitischer Verantwortung doch wieder in einer grossen Koalition mit der Merkel-CDU engagieren? «Wenn die SPD in der Koaltition wäre, dann würde die AfD zur grössten Oppositionspartei, das wäre nicht gut», sagt Ypsilanti. «In der GroKo hat die SPD versäumt, über den Tag hinauszudenken. Die SPD ist in der Koalition untergegangen».Andrea Ypsilanti galt vor etwa zehn Jahren als Shooting-Star der SPD. Als Spitzenkandidatin führte sie ihre Partei erfolgreich in die Landtagswahl im Bundesland Hessen und war kurz davor, Ministerpräsidentin zu werden. Nach der gescheiterten Regierungsbildung fiel sie allerdings auch partei-intern in Ungnade. Dennoch ist die heute 60-jährige Frankfurterin eine überzeugte SPD-Politikerin geblieben, das linke Gewissen ihrer Partei – sie ist weiter Abgeordnete im hessischen Landtag, und hat soeben ein Buch geschrieben, in dem sie über die Krise der deutschen und europäischen Linken nachdenkt und Ideen für eine neue sozialdemokratische Politik präsentiert. Das Buch kommt im Januar heraus – schon jetzt ist Ypsilanti aber bei uns zu Gast im «Tagesgespräch».

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9. Dezember 2017

Martin Meuli: Der Chirurg, der Ungeborene operiert

Damit Kinder mit einem «offenen Rücken» nicht schwerstbehindert geboren werden, operiert Martin Meuli an Ungeborenen. Er ist Direktor der Chirurgischen Klinik am Universitäts-Kinderspital in Zürich und Gast von Susanne Brunner.Spina bifida – wörtlich: «gespaltene Wirbelsäule» – ist bei Neugeborenen selten und trotzdem nach Herzfehlern der zweithäufigste Geburtsdefekt. Eine Form dieses Geburtsdefekts nennt man «offener Rücken», weil beim Fötus das Rückenmark frei liegt. Schon während der Schwangerschaft kommt es zu Nervenschädigungen, und das Kind kommt mit schweren Behinderungen zur Welt: Lähmung, Wasserkopf, Inkontinenz. Martin Meuli operiert mit seinem Team deshalb vor der Geburt des Kindes.Gestern hat das Kinderspital Zürich nach fast 70 solchen Operationen Bilanz gezogen: Für Zweidrittel der vorgeburtlich operierten Kinder ist sie positiv, rund ein Drittel hat fast gar keine Behinderungen mehr. Bei einem Drittel ist die Bilanz negativ: Diese Kinder leben mit Behinderungen. Martin Meuli ist ein Pionier dieser fötalen Chirurgie, und es gibt auch ein Buch über ihn: «Operation am Ungeborenen».

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7. Dezember 2017

Pater Nikodemus über Präsident Trumps Jerusalem-Entscheid

US-Präsident Donald Trump will trotz internationalen Protesten Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennen. Nikodemus Schnabel ist Benediktinermönch in der Jerusalemer Dormitio-Abtei und Gast von Susanne Brunner.Auf dem Berg Zion vor den Mauern der Altstadt Jerusalems steht ein Benediktinerkloster, die Dormitio-Abtei. Sie gehört weder zum Staat Israel noch zu den palästinensischen Autonomiegebieten. Als «Niemandsland» hat Nikodemus Schnabel den Ort in einem Buch über sein Leben als Mönch hier beschrieben. Und trotzdem: Sein Kloster ist in Jerusalem, und seit bald anderthalb Jahrzehnten erlebt er die Spannungen und Friedensbemühungen in dieser umstrittenen und geteilten Stadt. Für Israel ist ein ungeteiltes Jerusalem seine Hauptstadt, Palästinenser erheben Anspruch auf den Ostteil der Stadt als Hauptstadt für ihren eigenen Staat, den es aber noch nicht gibt. «Jerusalem ist ein Sehnsuchtsort für Juden, Moselms und Christen, sie ist so vielfältig und kompliziert», sagt Pater Nikodemus. «Sie wäre langweilig, wenn sie rein muslimisch, jüdisch oder christlich wäre, der ganze Zauber wäre weg!» Den Anspruch Israels auf ganz Jerusalem als seine Hauptstadt wird international nicht anerkannt. Das will US-Präsident Donald Trump nun offenbar ändern. Was heisst das für das Zusammenleben in der Heiligen Stadt? «Im Moment ist es sehr kalt, da geht niemand freiwillig raus. Jetzt ist es noch ruhig», sagt Pater Nikodemus, er ist Prior-Administrator der Benediktinergemeinsachaften auf Zion und in Tabgha und Direktor des Jerusalem-Institutes der Görres-Gesellschaft. «Jerusalem ist eine geeignete Stadt, um Atheist zu werden, denn man sieht auch alle Problematiken der Religion: Die Religion hat auch ein Hooligan-Problem. Das sind keine Gott-Sucher, sondern Indentitäts-Sucher, und da kommen die Hass-Prediger und bieten schnelle Lösungen an.»

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7. Dezember 2017

Manuel Rybach erklärt das Sorgenbarometer

Wo drückt Herr und Frau Schweizer der Schuh? Die Credit Suisse hat es in ihrem jährlichen Sorgenbarometer ermittelt: Die Hauptsorge gilt der Altersvorsorge. Studien-Mitautor Manuel Rybach erklärt im «Tagesgespräch» bei Marc Lehmann warum.Arbeitslosigkeit, AHV, Ausländer: Die drei A figurieren zuverlässig zuoberst auf der Sorgen-Liste der Schweizerinnen und Schweizer, welche die CS seit über 40 Jahren erhebt. Generell kann man sagen, den Menschen hierzulande geht es gut. Die meisten geben an, mit ihrem Leben sehr zufrieden zu sein. Und auch das Vertrauen in die politischen und wirtschaftlichen Institutionen ist im internationalen Vergleich aussergewöhnlich hoch.«Doch 2017 hat das Vertrauen überall abgenommen, ausser bei den Banken. Dort wirken wohl die Massnahmen nach der Finanzkrise positiv», so Rybach. Alles gut also? Nicht ganz: Das Sorgenbarometer fördert immer wieder neue und überraschende Erkenntnisse zutage. «Alltagsprobleme wie zum Beispiel das Wohnen oder teure Mieten werden wenig genannt, das ist interessant», sagt Rybach. «91 Prozent sind stolz auf die Schweiz. Neu fallen die fortschrittlichen Kriterien auf, die genannt werden, wie internationale Konzerne. Die traditionellen Punkte wie zum Beispiel die Neutralität werden heute deutlich weniger genannt.»Manuel Rybach ist bei der Grossbank Credit Suisse zuständig für Politik und öffentliche Angelegenheiten. Er hat an der Studie mitbearbeitet.

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5. Dezember 2017

Meltem Kutlar Joss vom Swiss TPH: Luftverschmutzung macht krank

LUDOK, die Dokumentationsstelle Luft und Gesundheit des Swiss TPH sammelt seit 30 Jahren Studien über schlechte Luft. Was passiert damit? Projektleiterin Meltem Kutlar Joss ist Gast von Susanne Brunner.Man weiss es seit Jahrzehnten: Luftverschmutzung macht krank und tötet. Das belegen Tausende von Studien, die in der ganzen Welt gemacht worden sind. «Früher merkte man, dreckige Luft schadet den Atemwegen, aber jetzt sieht man, die Leute sterben auch mehr an Herz-Kreislaufproblemen. Die Schädigungen gehen sogar noch weiter, Richtung Diabetes oder Demenz-Erkrankungen», sagt Meltem Kutlar Joss. Heute beginnt in Nairobi die dritte Umweltversammlung der UNO, an der auch die Schweiz teilnimmt. Auch Luftverschmutzung wird dort ein Thema sein. Doch: Was wird überhaupt gemacht, um die Luft besser zu machen? «Die Schweiz ist führend bei der Festsetzung von Grenzwerten» sagt Kutlar Joss, «aber auch der Feinstaubs hat stark abgenommen, zum Beispiel durch die Entschwefelung der Produkte wie Dünger.»

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2. Dezember 2017

Jacqueline Martin über die Pflege der Zukunft

Die Leute werden immer älter – und in der Schweiz fehlen schon jetzt Tausende Pflegefachpersonen. Wie kann der Pflege-Notstand verhindert werden? Jacqueline Martin, Leiterin des Ressorts Pflege am Universitätsspital Basel, legt im «Tagesgespräch» bei Marc Lehmann ihre Ideen dar.Die Pflegenden schlagen Alarm: Sie haben die Volksinitiative für eine starke Pflege lanciert, die Bund und Kantone verpflichten soll, genügend Fachpersonal auszubilden und es fair zu entlöhnen. Denn es fehlen qualifizierte Pflegerinnen und Pfleger, die meisten müssen im Ausland rekrutiert werden – auf die Dauer ist das keine Lösung.Eine Fachtagung heute in Bern diskutiert die Herausforderungen an die pflegerische Versorgung angesichts der alternden Gesellschaft und der rasanten Entwicklungen im Gesundheitswesen. Jacqueline Martin, die den Bereich Pflege am Unispital Basel leitet, kennt die künftigen Anforderungen an ihre Branche.

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2. Dezember 2017

Korrespondent David Nauer über Kasachstan und die Moderne

Kasachstan, das neuntgrösste Land der Welt, will nicht mehr nur ein Öl-Land in der Steppe zwischen Russland und China sein, sondern eine moderne Volkswirtschaft. SRF-Korrespondent David Nauer war dort und ist Gast von Susanne Brunner.Vor gut zehn Jahren war Kasachstan im Kino eine Lachnummer. Der britische Komiker Sacha Baron Cohen spielte im Film «Borat» einen kasachischen Fernsehreporter, der vom Innenministerium Kasachstans beauftragt wird, die USA zu bereisen und dort die Menschen zu studieren. Für die Rolle des hinterwäldlerischen, frauenfeindlichen und antisemitischen Kasachen gewann er einen Golden Globe. Der Film prägte ein nicht gerade schmeichelhaftes Bild der ehemaligen Sowjetrepublik, die seit 1991 von Präsident Nursultan Nasarbajew regiert wird. Das Land ist seit 2009 der weltgrösste Uranproduzent, und verfügt über grosse Erdöl- und Erdgasreserven. Und es will moderner werden. Was heisst das, «moderner»?

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30. November 2017

Nationalräte Aeschi und Hadorn vor der Budget-Debatte

Nun geht er wieder los, der Basar ums Bundesbudget – im Bundeshaus wird seit heute um den Voranschlag 2018 gezankt. Während die Linke von «Sparen auf Vorrat» spricht, möchten die Bürgerlichen weiter Schulden abbauen. Thomas Aeschi (SVP) und Philipp Hadorn (SP) kreuzen bei Marc Lehmann die Klingen.Weniger Geld für Bildung, Entwicklungshilfe, Verteidigung – dafür mehr für Verkehr, Asylwesen und Altersvorsorge. Der Bundesrat muss umschichten und legt ein ausgeglichenes Budget vor, weil ihn die Schuldenbremse dazu zwingt. Doch in National- und Ständerat gibt es andere Prioritäten, die zum Teil erheblich voneinander abweichen. Die einen möchten die Bildung begünstigen, die andern die Landwirtschaft. Eine schnelle Einigung zwischen den Parlamentskammern ist nicht in Sicht – man werde wohl den Schlafsack mitnehmen müssen, sagte Finanzminister Ueli Maurer heute zum Auftakt der Debatte im Ständerat. Ab morgen ist dann auch der Nationalrat an der Reihe.Wo den Rotstift ansetzen? – das ist die grosse Frage. Der Solothurner SP-Nationalrat Philipp Hadorn und SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi aus Zug legen im «Tagesgespräch» ihre unterschiedlichen Vorstellungen dar.

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30. November 2017

Elisabeth Bollrich über den EU-Afrika-Gipfel in Abidjan

Abidjan, Elfenbeinküste: Hier findet der EU-Afrika-Gipfel statt, bei dem es um die Zukunft der europäisch-afrikanischen Beziehungen geht. Wer bestimmt die? Gast von Susanne Brunner ist Elisabeth Bollrich von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin.Spätestens seit der sogenannten «Flüchtlingskrise» wurde klar: Was in Afrika passiert oder eben nicht passiert, betrifft auch Europa. Deutschland hat deshalb einen «Marshall Plan mit Afrika» angekündigt, das heisst: Eine Neu-Ausrichtung der europäisch-afrikanischen Beziehung, weg von Afrika als Rohstofflieferant, hin zu einer neuen Entwicklungszusammenarbeit, die den vielen Jungen in Afrika eine Zukunft ermöglicht. Wie soll die aussehen? Und welche Rolle spielen die Freihandelsabkommen, die die EU seit fünfzehn Jahren mit afrikanischen Ländern verhandelt, und gegen die es viel Widerstand in Afrika gibt? Elisabeth Bollrich ist Referentin für das Östliche Afrika bei der Abteilung Internationale Entwicklungszusammenarbeit bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin, sie hat selbst in Afrika gelebt.

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28. November 2017

BAFU-Direktor Marc Chardonnens und der OECD-Umweltprüfbericht

Alle zehn Jahre vergibt die OECD der Schweiz ein Umweltzeugnis. Heute hat sie dieses zusammen mit dem Direktor des Bundesamtes für Umwelt, Marc Chardonnens, in Bern vorgestellt. Dieser ist Gast von Susanne Brunner.In Sachen Recycling und CO2-Verbrauch der Wirtschaft im Inland ist die Schweiz in der OECD eine Musterschülerin. Weniger gute Noten gibt es, wenn es um Siedlungsabfälle geht: Mit 742 Kilo pro Person pro Jahr produzieren wir eindeutig zu viel Abfall.«Wir sind dabei, eine Strategie auf die Beine zu stellen, um die Abfallmenge zu Reduzieren», sagt Marc Chardonnens. «Immer noch landet ein Drittel von nicht benötigten Lebensmitteln im Abfall. Das darf nicht sein.»Auch bei der Wasserqualität und der Biodiversität gibt es keine Bestnoten, dafür viele Empfehlungen, wie wirs besser machen könnten. Der Umweltprüfbericht 2017 der OECD ist da: jetzt sind wir gefragt, respektive die Politik. Wir schauen den Bericht mit dem BAFU-Direktor an.

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25. November 2017

Milo Rau über Kunst, die die Welt verändert

Weil die Justiz im Kongo schwerste Verbrechen ignoriert, lässt sie Milo Rau in Schauprozessen verhandeln – der Film «Das Kongo-Tribunal» ist das bisher grössenwahnsinnigste Projekt des Schweizer Regisseurs, der im «Tagesgespräch» bei Marc Lehmann über seine Ideen, Ziele und Arbeitsweisen spricht.In Bukavu im Osten Kongos, an einem der gefährlichsten Orten der Welt, lässt Milo Rau Rebellen, Militärs, Politiker, Konzern-Anwälte und einfache Dorfbewohner vor einer Jury aus internationalen Juristen schwere Menschenrechtsverletzungen verhandeln. Echte Akteure, echte Fälle – nur ist das Gericht inszeniert und das Urteil hat keine Rechtsfolge. Es soll Politik und Weltöffentlichkeit wachrütteln: Wieso sterben im Kongo Hunderttausende in einem Bürgerkrieg, der wegen Rohstoffen für unsere Computer und Handys geführt wird, und alle schauen weg?Kann Kunst die Welt verändern, wenn die Politik versagt? Milo Rau glaubt: ja. Er gilt als der derzeit einflussreichste Regisseur in Europa. Für den Film «Kongo-Tribunal», der heute in den Schweizer Kinos anläuft, hat er diese Woche den Zürcher Filmpreis gewonnen – zuvor ist er Marc Lehmann Red und Antwort gestanden.

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25. November 2017

Manfred Elsig: Nafta vor dem Aus?

US-Präsident Donald Trump will das Freihandelsabkommen Nafta mit Kanada und Mexiko nicht mehr. Nach fünf Runden Neuverhandlungen ist keine Einigung in Sicht. Manfred Elsig vom WTI an der Universität Bern ist Gast von Susanne Brunner.Seit bald 24 Jahren verbindet das Freihandelsabkommen Nafta die USA, Kanada und Mexiko. Von Anfang an gab es Widerstand gegen das Abkommen, aber auch hohe Erwartungen. Alle drei Staaten erhofften sich davon die Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohlstand und versprachen ihren Bürgern und Bürgerinnen auch viel, vielleicht auch zuviel. Jedenfalls erntete Donald Trump viel Zustimmung, als er das Abkommen im US-Präsidentschaftswahlkampf als den «schlechtesten Handelsvertrag aller Zeiten» bezeichnete und es zu bodigen drohte. Die Drohung ist noch nicht vom Tisch. Nach fünf Verhandlungsrunden konnten sich die USA, Kanada und Mexiko in wichtigen Streitfragen diese Woche wieder nicht einigen. Im Dezember soll ein neuer Anlauf genommen werden. Manfred Elsig ist Professor für Internationale Beziehungen am World Trade Institute an der Universität Bern und er hat sich eingehend mit Nafta befasst. Was hat das Abkommen den Menschen gebracht, und was nicht? Was würde ein Scheitern des Abkommens für andere Freihandelsabkommen bedeuten?

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23. November 2017

Bundesrat Johann Schneider-Ammann am Digitaltag

Die Digitalisierung unserer Gesellschaft fordert uns alle, auch den Bundesrat. Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, Bundesrat Johann Schneider-Ammann, ist Gast von Susanne Brunner.Im Jahr 2010 wurde Johann Schneider-Ammann in den Bundesrat gewählt. In der digitalen Welt war das das Jahr, in dem Apple den i-Pad vorstellte, Instagram lanciert wurde und in einem Spital in Montreal, Kanada, zwei Roboter namens McSleepy und DaVinci einem Patienten die Prostata entfernten. In der analogen Vorstellung sind sieben Jahre eine kurze Zeit, in der digitalen Welt schon fast eine Ewigkeit. Wie hat die Digitalisierung den Alltag des Bundesrats verändert? Wie will er mithelfen, die Weichen in unserem Land so zu stellen, dass möglichst viele mit der rasanten technologischen Entwicklung mithalten können? Das «Tagesgespräch» am Digitaltag kommt heute live vom Hauptbahnhof in Zürich.

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23. November 2017

Stefan Trechsel über das Mladic-Urteil

Wird Ratko Mladic endgültig weggesperrt? Das UN-Kriegsverbrechertribunal hat den Hauptverantwortlichen des Massakers von Srebrenica zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Tagesgespräch bei Marc Lehmann ordnet der emeritierte Strafrechtsprofessor Stefan Trechsel das Urteil ein.«Der Schlächter vom Balkan» wurde er genannt, der serbische Ex-General Ratko Mladic. Ihm wird zur Last gelegt, für das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem 2. Weltkrieg verantwortlich zu sein. Mehr als 8000 Männer und Jugendliche wurden im Sommer 1995 in Srebrenica auf Befehl Mladics ermordet. Das Massaker wurde zum Symbol des Bosnienkriegs. 22 Jahre danach fällt das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien sein letztes Urteil. Ist es nachvollziehbar? «Es ist ein gutes Urteil», sagt Trechsel. Und was hat das Haager Tribunal letztlich erreicht? «Schon die Einrichtung deses Tribunal ist ein Wunder, es glaubte niemand daran, dass es klappt. Es ist eine grossartige Leistung.» Stefan Trechsel war von 2005 bis 2013 Schweizer Richter am Jugoslawien-Tribunal. «Doch das Signal an die Welt wird nicht wahrgenommen oder kann leider kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhindern», so Trechsel. Zuvor präsidierte Trechsel, der frühere Strafrechtsprofessor in St. Gallen und Zürich, die Europäische Menschenrechtskommission.

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21. November 2017

Eva Menasse und der österreichische Buchpreis

Für ihren Erzählband «Tiere für Fortgeschrittene» hat Eva Menasse ihre bisher höchste literarische Auszeichnung bekommen. Über das Belletristische hinaus hat die Halbschwester von Robert Menasse Einiges zu sagen – auch über Politik. Menasse ist Gast von Ivana PribakovicUmgekehrte Fabeln sind es: Von Menschen ist in Menasses Erzählungen die Rede, doch dahinter stehen Deutungen von Tiergeschichten. Für Eva Menasse eine Art, den Lesenden ihre Arbeitsweise aufzuzeigen. Das Werk, hoch gelobt von Literaturkritikern lädt subtil zum Schmunzeln und Nachdenken ein. Weniger subtil sind Eva Menasses Zwischenrufe in der Presse. Hinter der Verunsicherung in der Welt, hinter der Angst und der aufgestauten Wut, die sich in den letzten Jahren gei Wahlen zeige, steckten rechte Kreise. Davon ist die frühere Journalistin überzeugt. Und sie hat auch einen Rat, wie mit dieser Verunsicherung umzugehen ist.

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