Archiv für ‘Zeitgenossen’

9. November 2017

SWR2 Zeitgenossen: Annette Schavan, Politikerin und Botschafterin

Annette Schavan gilt als Vertraute der Kanzlerin, aber auch als die Frau, deren Doktortitel aberkannt wurde. Sie erweckt in Interviews den Anschein, in gewisser Weise bürgerlich angepasst zu sein und gehört trotzdem zu den GründerInnen des Vereins „Donum Vitae“. Der Verein attestierte auch nach dem von Johannes Paul II. verordneten Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung die Beratung per Schein, was einen Abbruch ermöglichte. Annette Schavan hat gleichwohl ihren Platz gefunden, vorläufig: Sie ist Botschafterin beim Heiligen Stuhl in Rom für die Bundesrepublik Deutschland. Jörg Vins spricht mit ihr über ihren Alltag als Botschafterin und ihr Leben, auch das in Rom.

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7. November 2017

SWR2 Zeitgenossen: Tim Raue, Sternekoch

Unter den Kochkünstlern der Welt zählt er zu den Top 50: der Berliner Tim Raue, den sein Weg, wie er in seiner Autobiografie „My Way“ formuliert, „aus der Gosse in Kreuzberg in den kulinarischen Sternenhimmel“ führte. Als den Wendepunkt seiner Karriere markiert Raue Singapur, wo er 2004 im Restaurant „Jade“ den jungen Küchenchef Sam Leong kennenlernte, der chinesische Traditionen mit westlichen Gegenwartsküche zu einer neuen Fusion brachte, das Ergebnis: „Alles schmeckte grandios“. Im Gespräch mit Reinhard Hübsch erzählt der 43-Jährige, wie aus dem Gang-Mitglied des Wrangelkiezes der international geachtete Sternekoch wurde, der, so Raue, in der Küche „immer noch wie ein Hooligan“ agiert.

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2. November 2017

SWR2 Zeitgenossen: Volker Leppin, Kirchenhistoriker und Reformationsexperte

Zu den Architekten des Reformationsjubiläumsjahrs gehört zweifellos der evangelische Theologe Dr. Volker Leppin. Früh setzte sich der Professor für Kirchengeschichte an der Universität Tübingen für wichtige Schwerpunkte wie „Rechtfertigung“ und „Freiheit“ sowie deren ökumenische Ausrichtung ein. Zudem untersuchte der Pfarrerssohn aus Marburg Martin Luthers mystische Wurzeln. Der international gefragte Experte ist überzeugt: Mittelalterliche Kirchengeschichte kann wichtige Impulse für heute geben. Kritische Auseinandersetzungen darüber, ob in Fachkreisen oder der Ökumene, scheut Volker Leppin nicht.

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31. Oktober 2017

SWR2 Zeitgenossen: Michael Kleeberg, Schriftsteller

Die Jahre im Ausland, in Rom, Amsterdam, Paris und im Burgund verbracht, haben Spuren in seinem schriftstellerischen Werk hinterlassen. Doch Michael Kleeberg will mehr. Er ist ein Autor, der immer den Horizont zu weiten sucht: als Übersetzer von Dos Passos bis Proust, aber auch ganz praktisch, indem er als Hafenarbeiter, Krankenpfleger, Privatlehrer und Werbetexter jobbte. Eigene Erfahrung und Kenntnis sind für Kleeberg wichtig. Der mit dem Anna-Seghers und Lion-Feuchtwanger-Preis mehrfach ausgezeichnete Autor hat sich als Chronist bundesdeutscher Geschichte einen Namen gemacht. Bekannt ist er u. a. für seinen Deutschlandroman „Ein Garten im Norden“ und seinen Roman „Karlmann“. Als Mainzer Stadtschreiber führte er Freiheitsgespräche, während er in diesem Jahr im Rahmen der Frankfurter Poetikdozentur durchaus kontrovers das Verhältnis zum Islam beleuchtete.

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12. Oktober 2017

SWR2 Zeitgenossen: Gabriele von Lutzau, Künstlerin und ehemalige Stewardess der Landshut

„Kunst zu machen, ist eine Sprache“, meint Gabriele von Lutzau, die ehemalige Chefstewardess der 1977 entführten „Landshut“. Fünf Tage lang dauerte die Entführung der Boeing 737 im Herbst 1977 mit 86 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern an Bord. Der Irrflug der der „Landshut“ führte von Mallorca über Rom, Dubai und weitere Stationen schließlich nach Mogadischu, wo die Maschine am 18. Oktober von der Anti-Terror-Einheit GSG9 gestürmt wurde. Eine extreme Erfahrung, die die frühere Chefstewardess Gabriele Dillmann rückblickend mit dem Satz kommentiert: sie sei zu wütend gewesen, um Angst zu haben. 40 Jahre danach hat sie sich als Künstlerin international einen Namen gemacht.

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5. Oktober 2017

SWR2 Zeitgenossen: Wolfgang Kraushaar, Politikwissenschaftler

Die Medien nennen ihn „Chronist der bundesdeutschen Bewegungsjahre“. Doch den Titel sieht Wolfgang Kraushaar zweischneidig: „Chronisten sind fleißig, gelten aber nicht als Historiker“. Der gebürtige Nordhesse sagt von sich: „Ich bin nur ein Tangential-68er“. Keiner hat so akribisch wie er die 68er-Generation und den RAF-Terrorismus seziert – und mit heutigem Polit-Aktivismus à la „Attac“ und „Occupy“ verglichen. Außerdem erzählt Wolfgang Kraushaar von seinem privaten Hobby: Der Leichtathletik.

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3. Oktober 2017

SWR2 Zeitgenossen: Claus Peymann, Theaterintendant

Nach 18 Jahren Intendanz verließ Claus Peymann im Sommer das Berliner Ensemble, nach Jahrzehnten als Theaterleiter steht er nun keinem Haus mehr vor. Diese Freiheit nutzt der mittlerweile 80-Jährige, um in Stuttgart mit dem „König Lear“ eines der schwierigsten Stücke des späten Shakespeare zu inszenieren. Im Gespräch mit Reinhard Hübsch reflektiert Peymann entlang des mörderischen Dramas um Liebe und Macht, um Verzeihen und Ranküne die eigene Biografie und damit auch jenes Kraftfeld zwischen Gewalt und Politik, in dem Theater sich stets bewegt.

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30. September 2017

SWR2 Zeitgenossen: Elisabeth Schweeger, Intendantin

Elisabeth Schweeger bringt den deutschen Schauspielnachwuchs nach vorne. Denn sie leitet die Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg. In Ludwigsburg will sie die Studierenden ermutigen, junges progressives Theater zu machen. Die gebürtige Wienerin arbeitete zuvor als Theaterintendantin, Dramaturgin, Journalistin, Dozentin und Kuratorin – unter anderen bei der Documenta und der Biennale in Venedig. Damit ist sie in der Kunst- und Theaterwelt bestens vernetzt. Für 2018 kuratiert sie in Linz die DonauArt 2018. Eines ist ihr bei ihrer Arbeit immer wichtig: Sie will einen gesellschaftlichen Dialog anstoßen.

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9. September 2017

SWR2 Zeitgenossen: Robert Menasse, Schriftsteller

Der 1954 in Wien geborene Robert Menasse gehört zu den wortgewaltigsten Autoren Österreichs. Er hat vielgelobte Romane geschrieben, etwa die „Trilogie der Entgeisterung“, in der Menasse unter anderem Hegels Geschichtsdialektik auf den Kopf stellt. Philosophie und Politik spielen ohnehin eine wichtige Rolle in seinem mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Werk. Menasse hat eine lange Liste von Essays und Kommentaren zum Zeitgeschehen veröffentlicht, die dann auch in breiter Öffentlichkeit diskutiert wurden, etwa zu Fragen der Globalisierung, der Demokratie und der Zukunft Europas. Die Europäische Union, die seit vielen Jahren zahlreiche Krisen durchlebt, gehört in jüngster Zeit zu seinen wichtigsten Themen.

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7. September 2017

SWR2 Zeitgenossen: Marin Trenk, Food-Ethnologe

„Exotisch ja, aber bitte deutsch!“ – so bringt es der Frankfurter Food-Ethnologe Marin Trenk auf den Punkt. Man könne sich in Deutschland inzwischen durch fast alle Küchen der Welt essen, doch dieses „Ethno-Food“, das bei einer großen Mehrheit Anklang findet, wird immer dem deutschen Geschmack angepasst. Es hat mit der ursprünglichen Küche nicht mehr viel zu tun. Damit beschäftigt sich Marin Trenk auch in seinem vielbeachteten Buch „Döner Hawaii“ aus dem Jahr 2015. Kuriose, kulinarische Geschichten bringt der Ethnologe regelmäßig von seinen Forschungsreisen, wie kürzlich aus Südostasien, mit.

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31. August 2017

SWR2 Zeitgenossen: Peter Berthold, Ornithologe

„Ich bin nicht nur Ornithologe, sondern auch Ornithomane, vielleicht sogar Ornithopath, also den Piepmätzen regelrecht verfallen“, so stellt sich Professor Peter Berthold vor.
Aufgewachsen ist Peter Berthold in Zittau in Sachsen. Schon früh hat der Junge Vögel beobachtet und gefangen: auf dem Fensterbrett seines Elternhauses etwa „H69870 Radolfzell Germania“. Über diese beringte Kohlmeise erfuhr der 13-Jährige zum ersten Mal von der Vogelwarte Radolfzell. Das war 1952. Und es war der Anfang einer lebenslangen Verbindung. Nach dem Studium in Tübingen und neben der Habilitation an der Uni Konstanz untersuchte Peter Berthold in Radolfzell/Möggingen die Geheimnisse des Vogelzugs.

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24. August 2017

SWR2 Zeitgenossen: Michael Kötz, Filmfestivalleiter

Seit vielen Jahren leitet Michael Kötz Filmfestivals im Rhein-Main-Gebiet. Nach der Promotion bei Alexander Kluge war er zunächst Filmkritiker bei Printmedien, Hörfunk und Fernsehen. 1992 übernahm Michael Kötz die Leitung des Internationalen Filmfests Mannheim-Heidelberg und seit 2005 ist er Direktor des Festivals des Deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein. Vor Beginn des diesjährigen Festivals des Deutschen Films in Ludwigshafen, senden wir ein Gespräch des Filmexperten Herbert Spaich mit Michael Kötz über die Entwicklung der Kinokunst, über Filmästhetik und über die Lust und die gelegentliche Last des Festivalmachens.

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19. August 2017

SWR2 Zeitgenossen: Hans-Christian Ströbele, Anwalt und Politiker

Er ist das Gesicht der Grünen; erstmals im Bundestag 1985, dann wieder seit 1998. Ein Linker in seiner Partei, der als einziger Grüner in seinem Wahlkreis das Direktmandat errang. Auf seinem Kiez in Friedrichshain-Kreuzberg ist er nahbar, vertritt die Anliegen der Menschen dort. Seine Eltern waren Schwaben, geboren wurde er in Marl. Politisch sozialisiert wurde Ströbele nach der Tötung des Studenten Benno Ohnesorg 1967. Anders als seine Weggenossen Horst Mahler (heute Nazi) oder Otto Schily (wechselte zur SPD) blieb sich Ströbele immer selbst treu. Nach der kommenden Bundestagswahl am 24. September wird Ströbele nicht mehr dem Bundestag angehören. Hans-Christian Ströbele ist 78 Jahre alt.

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10. August 2017

SWR2 Zeitgenossen: Volker Ludwig, Theatergründer.

Volker Ludwig gilt als der Erfinder des modernen Jugendtheaters. Anfang der 70er-Jahre eröffnete er mit dem GRIPS das erste Theater für Kinder in Westdeutschland. Dort spielte er seine antiautoritären „Mutmach-Stücke“, die auch Themen wie Gewalt gegen Kinder, Ausländerfeindlichkeit oder Antisemitismus ansprachen. Sein größter Erfolg: die musikalische Berlin-Revue „Linie 1“. Wie man politische Themen auf die Bühne bringt, wusste Volker Ludwig aus dem Kabarett. Nach zahlreichen Programmen für das Kommödchen, die Lach- und Schießgesellschaft oder die Stachelschweine gründete er 1965 mit dem Reichskabarett seine eigene Gruppe in Berlin. Im Juni ist Volker Ludwig 80 Jahre alt geworden.

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27. Juli 2017

SWR2 Zeitgenossen: André Heller, Künstler

Der 70-jährige Künstler André Heller lebt abwechselnd in seiner Heimatstadt Wien, in Marrakesch und „auf Reisen“. Und die führen ihn vornehmlich dorthin, wo sein aktueller Roman „Das Buch vom Süden“ spielt. Ansonsten interviewt er für seine nächste Publikation seine mittlerweile 102-jährige Mutter. Vor kurzem rief er eine Bürgermeisterkonferenz ins Leben, um den Flüchtlingen, die in Österreich gestrandet sind, eine neue Heimat zu organisieren.

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25. Juli 2017

SWR2 Zeitgenossen: Michael Köhlmeier, Schriftsteller

Der 1949 im österreichischen Hard am Bodensee geborene Michael Köhlmeier gehört zu den vielseitigsten Schriftstellern deutscher Sprache. Er hat zahlreiche Romane geschrieben, etwa das vielgelobte Monumentalwerk „Abendland“, die ausgezeichneten Texte „Zwei Herren am Strand“ und „Das Mädchen mit dem Fingerhut“. Köhlmeier hat aber auch Gedichte veröffentlicht, ein Kinderbuch, Kurzgeschichten, Hörspiele, Lieder, Feuilletons, die unterschiedlichsten Beiträge für Printmedien und fürs Radio. Der mit zahlreichen Literaturpreisen bedachte Autor hat sich als Interpret antiker und heimischer Sagenstoffe einen Namen gemacht, und er kennt sich bestens in der Geschichtenwelt der Bibel aus.

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22. Juli 2017

SWR2 Zeitgenossen: Tilman Allert, Soziologe

Warum tragen Frauen High Heels? Was macht den Latte Macchiato zum Getränk einer ganzen Generation? Der Frankfurter Soziologie-Professor Tilman Allert ist sich für die Beantwortung solcher Fragen keineswegs zu schade, im Gegenteil, er macht sie zum Zentrum seiner „Soziologie der kleinen Dinge“. Neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen wie der international viel beachteten Studie „Der Deutsche Gruß-Geschichte einer unheilvollen Geste“ publiziert der 1947 geborene Allert spritzige Feuilletons in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, der „Neuen Zürcher Zeitung“ und anderen journalistischen Medien. Im August erscheint bei S. Fischer der 2. Band der „Soziologie der kleinen Dinge“.

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18. Juli 2017

SWR2 Zeitgenossen: Peer Steinbrück, Politiker

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11. Juli 2017

SWR2 Zeitgenossen: Barrie Kosky, Intendant

Als Barrie Kosky im Jahr 2012 die Leitung der Komischen Oper in Berlin übernahm, stand das Haus auf wackligem Fundament. Immer wieder drohte die Schließung, immerhin hat Berlin drei Opernhäuser. Inzwischen ist davon keine Rede mehr. Kosky hat mit seinem Spielplan und den Inszenierungen Publikum und Kritik begeistert, die Auslastung gilt als beispielhaft und die Komische Oper inzwischen als das spannendste Opernhaus in Berlin. Zu Koskys besonderen Verdiensten gehört unter anderem die Wiederbelebung der Berliner Operette.

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4. Juli 2017

SWR2 Zeitgenossen: Igor Levit, Pianist

Am 3. Mai 2010 nimmt das Leben von Igor Levit eine spektakuläre Wende. Die Musikkritikerin Eleonore Büning schreibt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Dieser junge Mann hat nicht nur das Zeug, einer der großen Pianisten dieses Jahrhunderts zu werden. Er ist es schon“. Levit ist damals erst 23 Jahre alt. Heute gilt Levit als „Pianist der Stunde“, als „Prototyp eines modernen Künstlers“, der nicht nur meisterhaft auf seinem Flügel spielt, sondern auch als wacher Zeitgenosse Haltung zeigt, ständig in Bewegung ist, leidenschaftlich twittert, liest und reist.

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