Archiv für ‘Zeitgenossen’

11. Januar 2018

SWR2 Zeitgenossen: Yoko Tawada, Schriftstellerin

„Zuerst ist eine fremde Sprache wie ein Klumpen aus Mehl oder so, der sich nicht auseinander nehmen lässt“, sagt die japanische Schriftstellerin Yoko Tawada. Sie selbst hat sich der Herausforderung gestellt. Neben Romanen in ihrer Muttersprache, schreibt sie seit mehr als 30 Jahren auch auf Deutsch. In ihren spielerischen und fantastischen Romanen, Erzählungen, Gedichten und Theaterstücken öffnet Tawada Zwischenräume der Wahrnehmung zwischen der japanischen und der deutschen Sprache. Für ihr literarisches Werk wird die Kleist-Preisträgerin 2018 mit der Carl-Zuckmayer Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.

Share
6. Januar 2018

SWR2 Zeitgenossen: Aharon Appelfeld, Schriftsteller

Aharon Appelfeld wurde 1932 in Czernowitz in der Bukowina
geboren, als einziges Kind gebildeter, wohlhabender und
assimilierter Juden. Nach dem Einmarsch der Deutschen 1940
wurden er und sein Vater in einem viele Wochen dauernden Marsch in ein Ghetto gezwungen. Dort verlor der 8-Jährige seinen Vater und gelangte in die Wälder. Er überlebte als Gehilfe Krimineller und kam schließlich 1946 nach Palästina. Ein Jahr nur war er zur Schule gegangen und seine Muttersprache Deutsch hatte er nahezu vergessen. In Israel lernte er Hebräisch, holte die fehlende Schulbildung nach, studierte und wurde Professor für Hebräische Literatur.

Share
2. Januar 2018

SWR2 Zeitgenossen: Barbara Stollberg-Rilinger, Historikerin

„Mich interessieren die Epochen, die fremdartig sind“, sagt Barbara Stollberg-Rilinger. Die Historikerin aus Münster erhielt 2017 den Preis der Leipziger Buchmesse und den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa. Dessen Jury nannte ihre Maria Theresia-Biografie ein „einzigartiges intellektuelles Vergnügen“. Im Sommer wird Stollberg-Rilinger Rektorin am Berliner Wissenschaftskolleg. Im Gespräch erklärt sie, was uns vormoderne Rituale lehren, den Bogen von 1618 – dem Beginn des 30-jährigen Krieges – bis 2018 und die Vereinbarkeit von Professur und „Job“ als alleinerziehende Mutter.

Share
2. Januar 2018

SWR2 Zeitgenossen: Nicholas Conard, Archäologe

Der Tübinger Archäologe Prof. Nicholas Conard ist , zusammen mit seinem Team, Ausgräber der „Venus vom Hohlefels“, der weltweit ältesten Darstellung eines menschlichen Körpers. Außerdem förderte er uralte Flöten zu Tage und Tierfiguren. Nicolas Conard, der in den USA aufgewachsen ist und seit über 20 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, versteht es, Spitzenforschung populär und unterhaltsam zu präsentieren. So hat er zum Beispiel mitgeschrieben an einem „schwäbischen“ Steinzeit-Roman und hat auch mitgewirkt an einem Dokumentarfilm von Werner Herzog.

Share
28. Dezember 2017

SWR2 Zeitgenossen: Hans-Werner Sinn, Ökonom

Manche nennen ihn „Krawall-Ökonom“, andere „Meister der Inszenierung“. Hans-Werner Sinn ließ Politik und Wissenschaft selten kalt. Der Chef des Münchner Ifo-Instituts galt als der meist zitierte Wirtschaftsforscher der Republik. Seine Bücher wurden Bestseller, denn Sinn kann komplizierte Probleme der Ökonomie auf einen Punkt bringen. Der gebürtige Westfale meint von sich: „Ich habe gelernt, die Zähne zusammenzubeißen“. Ob beim Taxifahren im elterlichen Betrieb, in den Talk-Shows im Fernsehen oder als Hobbygärtner – das ergründet Rainer Volk im Dialog mit Hans-Werner Sinn.

Share
21. Dezember 2017

SWR2 Zeitgenossen: Auma Obama, Germanistin und Soziologin

Sie bezeichnet sich als „Brückenbauerin“ zwischen Europa und Afrika. Die Halbschwester des früheren US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama pendelt unermüdlich zwischen den Kontinenten, um in Europa für einen anderen Blick auf Afrika zu werben, um die Entwicklungszusammenarbeit neu zu gestalten. Sie will aber auch in Afrika etwas verändern, indem sie ihre Landsleute wachrüttelt und dazu ermuntert, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Mit ihrer Stiftung „Sauti Kuu“ fördert Auma Obama in Kenia Kinder und Jugendliche gemeinsam mit ihren Familien. Sie hat 16 Jahre in Deutschland gelebt und hier studiert, unter anderem in Saarbrücken und Heidelberg.

Share
19. Dezember 2017

SWR2 Zeitgenossen: Florian Illies, Autor und Geschäftsführer der Villa Grisebach

Mit seinem Buch über die „Generation Golf“ wurde Florian Illies im Jahr 2000 schlagartig berühmt. Da war er gerade 29 Jahre alt. In Bonn und Oxford hatte er Kunstgeschichte und Geschichte studiert. Er machte eine Blitzkarriere im deutschen Feuilleton und schrieb weitere Bücher. Sein internationaler Bestseller „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“ wird nun als Serie verfilmt. Mit der Kunstzeitschrift „monopol“ gründete Illies sein eigenes Magazin. Doch er interessiert sich nicht nur für die Kunst der Gegenwart. Vor allem will er das 19. Jahrhundert rehabilitieren. Sein Wechsel in das renommierte Berliner Auktionshaus Villa Grisebach überraschte viele.

Share
12. Dezember 2017

SWR2 Zeitgenossen: Anselm Bilgri, Ex-Benediktinermönch und Coach

Erst bekanntester Mönch des berühmten Kloster Andechs, jetzt Unternehmensberater, Coach und Vortragsredner. Anselm Bilgri (Jahrgang 1953) versteht sich als „weltlicher Mönch“, der eine Brücke von Philosophie und Religion zu Wirtschaft und Gesellschaft schlägt. Geboren in Unterhaching bei München und 1980 von Kardinal Joseph Ratzinger zum Priester geweiht, trat der umtriebige und ideenreiche Theologe im Alter von 22 Jahren ins Kloster ein. 18 Jahre lang war er Cellerar (Wirtschaftsleiter) des Kloster Andechs, anschließend bis zum Austritt aus dem Benediktinerorden 2004 dessen Prior und Wallfahrtsdirektor.

Share
5. Dezember 2017

SWR2 Zeitgenossen: Dieter Borchmeyer, Literaturwissenschaftler

Seine Homepage zeigt ihn lächelnd mit einem Koalabären im Arm. „Dieter Borchmeyer (links)“, steht unter dem Foto. Der Germanist, der viele Jahre an der Universität Heidelberg gelehrt hat und später Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste war, hat nicht nur Humor – er ist auch einer der vielseitigsten und faszinierendsten Persönlichkeiten der deutschen Wissenschafts- und Kulturszene. Mit Richard Wagner ist er ebenso vertraut wie mit Goethe und Thomas Mann. In diesem Jahr hat er ein vielbeachtetes Buch zum Thema „Was ist deutsch“? vorgelegt.

Share
5. Dezember 2017

SWR2 Zeitgenossen: Petra Morsbach, Schriftstellerin

Share
23. November 2017

SWR2 Zeitgenossen: Roberto Simanowski, Literatur- und Medienwissenschafler

Soziale Medien wie Facebook sind für Roberto Simanowski Sozialisationsinstanzen, die zu einem neuen Verhalten disziplinieren. Sie verändern nicht nur unseren Begriff von Freundschaft, sondern auch unseren Umgang mit uns selbst. Zum Beispiel, indem man die eigene Biografie inszeniert oder vor dem Moment flieht, indem man ihn ständig digital festhält und mitteilt. Vor allem aber ermöglichen Soziale Medien wie Facebook seiner Meinung nach die absolute Zerstreuung und animieren zu permanenten Like-Dislike-Ja-Nein-Entscheidungen. Dennoch benutzt auch der Literatur- und Medienwissenschaftler Roberto Simanowski, der zurzeit in Hong Kong lehrt, privat Facebook: „Allerdings nicht für Foodies“.

Share
21. November 2017

SWR2 Zeitgenossen: Michael Naumann, Politiker und Publizist

Er ist sowas wie ein „Kultur-Allrounder“ – in den Sphären der Literatur, der Bildenden Kunst und der Musik gleichermaßen zu Hause. Michael Naumann war Journalist und Verleger, Kulturstaatsminister und SPD-Kandidat für das Amt des Hamburger Bürgermeisters. Ein streitbarer Zeitgenosse, der sich etwa in der Diskussion um das Holocaust-Mahnmal in Berlin mit seiner Kritik an der „Speer-Architektur“, wie er es nannte, nicht nur Freunde gemacht hat. Aber das konnte Naumann in seinem Tatendrang nicht bremsen. Die Berliner „taz“ hat ihn einmal als „Macher mit einem Faible für das Innovative“ bezeichnet. Zurzeit leitet Naumann die Barenboim-Said-Akademie in Berlin, deren Gründungsdirektor er ist.

Share
9. November 2017

SWR2 Zeitgenossen: Annette Schavan, Politikerin und Botschafterin

Annette Schavan gilt als Vertraute der Kanzlerin, aber auch als die Frau, deren Doktortitel aberkannt wurde. Sie erweckt in Interviews den Anschein, in gewisser Weise bürgerlich angepasst zu sein und gehört trotzdem zu den GründerInnen des Vereins „Donum Vitae“. Der Verein attestierte auch nach dem von Johannes Paul II. verordneten Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung die Beratung per Schein, was einen Abbruch ermöglichte. Annette Schavan hat gleichwohl ihren Platz gefunden, vorläufig: Sie ist Botschafterin beim Heiligen Stuhl in Rom für die Bundesrepublik Deutschland. Jörg Vins spricht mit ihr über ihren Alltag als Botschafterin und ihr Leben, auch das in Rom.

Share
7. November 2017

SWR2 Zeitgenossen: Tim Raue, Sternekoch

Unter den Kochkünstlern der Welt zählt er zu den Top 50: der Berliner Tim Raue, den sein Weg, wie er in seiner Autobiografie „My Way“ formuliert, „aus der Gosse in Kreuzberg in den kulinarischen Sternenhimmel“ führte. Als den Wendepunkt seiner Karriere markiert Raue Singapur, wo er 2004 im Restaurant „Jade“ den jungen Küchenchef Sam Leong kennenlernte, der chinesische Traditionen mit westlichen Gegenwartsküche zu einer neuen Fusion brachte, das Ergebnis: „Alles schmeckte grandios“. Im Gespräch mit Reinhard Hübsch erzählt der 43-Jährige, wie aus dem Gang-Mitglied des Wrangelkiezes der international geachtete Sternekoch wurde, der, so Raue, in der Küche „immer noch wie ein Hooligan“ agiert.

Share
2. November 2017

SWR2 Zeitgenossen: Volker Leppin, Kirchenhistoriker und Reformationsexperte

Zu den Architekten des Reformationsjubiläumsjahrs gehört zweifellos der evangelische Theologe Dr. Volker Leppin. Früh setzte sich der Professor für Kirchengeschichte an der Universität Tübingen für wichtige Schwerpunkte wie „Rechtfertigung“ und „Freiheit“ sowie deren ökumenische Ausrichtung ein. Zudem untersuchte der Pfarrerssohn aus Marburg Martin Luthers mystische Wurzeln. Der international gefragte Experte ist überzeugt: Mittelalterliche Kirchengeschichte kann wichtige Impulse für heute geben. Kritische Auseinandersetzungen darüber, ob in Fachkreisen oder der Ökumene, scheut Volker Leppin nicht.

Share
31. Oktober 2017

SWR2 Zeitgenossen: Michael Kleeberg, Schriftsteller

Die Jahre im Ausland, in Rom, Amsterdam, Paris und im Burgund verbracht, haben Spuren in seinem schriftstellerischen Werk hinterlassen. Doch Michael Kleeberg will mehr. Er ist ein Autor, der immer den Horizont zu weiten sucht: als Übersetzer von Dos Passos bis Proust, aber auch ganz praktisch, indem er als Hafenarbeiter, Krankenpfleger, Privatlehrer und Werbetexter jobbte. Eigene Erfahrung und Kenntnis sind für Kleeberg wichtig. Der mit dem Anna-Seghers und Lion-Feuchtwanger-Preis mehrfach ausgezeichnete Autor hat sich als Chronist bundesdeutscher Geschichte einen Namen gemacht. Bekannt ist er u. a. für seinen Deutschlandroman „Ein Garten im Norden“ und seinen Roman „Karlmann“. Als Mainzer Stadtschreiber führte er Freiheitsgespräche, während er in diesem Jahr im Rahmen der Frankfurter Poetikdozentur durchaus kontrovers das Verhältnis zum Islam beleuchtete.

Share
12. Oktober 2017

SWR2 Zeitgenossen: Gabriele von Lutzau, Künstlerin und ehemalige Stewardess der Landshut

„Kunst zu machen, ist eine Sprache“, meint Gabriele von Lutzau, die ehemalige Chefstewardess der 1977 entführten „Landshut“. Fünf Tage lang dauerte die Entführung der Boeing 737 im Herbst 1977 mit 86 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern an Bord. Der Irrflug der der „Landshut“ führte von Mallorca über Rom, Dubai und weitere Stationen schließlich nach Mogadischu, wo die Maschine am 18. Oktober von der Anti-Terror-Einheit GSG9 gestürmt wurde. Eine extreme Erfahrung, die die frühere Chefstewardess Gabriele Dillmann rückblickend mit dem Satz kommentiert: sie sei zu wütend gewesen, um Angst zu haben. 40 Jahre danach hat sie sich als Künstlerin international einen Namen gemacht.

Share
5. Oktober 2017

SWR2 Zeitgenossen: Wolfgang Kraushaar, Politikwissenschaftler

Die Medien nennen ihn „Chronist der bundesdeutschen Bewegungsjahre“. Doch den Titel sieht Wolfgang Kraushaar zweischneidig: „Chronisten sind fleißig, gelten aber nicht als Historiker“. Der gebürtige Nordhesse sagt von sich: „Ich bin nur ein Tangential-68er“. Keiner hat so akribisch wie er die 68er-Generation und den RAF-Terrorismus seziert – und mit heutigem Polit-Aktivismus à la „Attac“ und „Occupy“ verglichen. Außerdem erzählt Wolfgang Kraushaar von seinem privaten Hobby: Der Leichtathletik.

Share
3. Oktober 2017

SWR2 Zeitgenossen: Claus Peymann, Theaterintendant

Nach 18 Jahren Intendanz verließ Claus Peymann im Sommer das Berliner Ensemble, nach Jahrzehnten als Theaterleiter steht er nun keinem Haus mehr vor. Diese Freiheit nutzt der mittlerweile 80-Jährige, um in Stuttgart mit dem „König Lear“ eines der schwierigsten Stücke des späten Shakespeare zu inszenieren. Im Gespräch mit Reinhard Hübsch reflektiert Peymann entlang des mörderischen Dramas um Liebe und Macht, um Verzeihen und Ranküne die eigene Biografie und damit auch jenes Kraftfeld zwischen Gewalt und Politik, in dem Theater sich stets bewegt.

Share
30. September 2017

SWR2 Zeitgenossen: Elisabeth Schweeger, Intendantin

Elisabeth Schweeger bringt den deutschen Schauspielnachwuchs nach vorne. Denn sie leitet die Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg. In Ludwigsburg will sie die Studierenden ermutigen, junges progressives Theater zu machen. Die gebürtige Wienerin arbeitete zuvor als Theaterintendantin, Dramaturgin, Journalistin, Dozentin und Kuratorin – unter anderen bei der Documenta und der Biennale in Venedig. Damit ist sie in der Kunst- und Theaterwelt bestens vernetzt. Für 2018 kuratiert sie in Linz die DonauArt 2018. Eines ist ihr bei ihrer Arbeit immer wichtig: Sie will einen gesellschaftlichen Dialog anstoßen.

Share